Aufsatz 
Eine Rede über Trennung und Zusammenhang der Schulen : nebst Anmerkungen
Entstehung
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der eigenthümlichen Beschaffenheit, worin sie durch Verwahrlosung der besseren Keime gerathen sind, eine abgesonderte und ihnen allein gewidmete Behandlung bedürfen, wenn sie der menschlichen Gesellschaft nicht schädlich, sondern wahrhaft nützlich wer- den sollen, man wird auch dieser sich anzunehmen und für sie allein bestimmte Anstal- ten zu gründen als heilige Pflicht betrachten.*)

Doch nur hindeuten wollte ich auf die Mamnigfaltigkeit der für die Wohlfahrt des Staats nöthigen öffentlichen Schulen und auf die Nothwendigkeit ihrer Trennung, um noch einige Worte über den Zusammenhang hinzuzufügen, der unter ihnen herrscht und herrschen soll. Ungeachtet der Trennung, sage ich, besteht ein durchgreifender Zusam- menhang, der alle Schulanstalten eines Staats unter einander verbindet und zu Einem grossen Ganzen macht.

Dieser Zusammenhang zeigt sich erstens in dem Zweck, den alle Schulen gemein- sam zu verfolgen haben. Alle haben den Zweck, den Menschen zum Menschen zu bilden d. h. den Menschen durch naturgemässe und harmonische Entwickelung seiner Anlagen und Kräfte zu vernünftiger Selbstthätigkeit zu führen oder fähig zu machen. Mag dieser Zweck auch auf verschiedenen Wegen verfolgt werden, mag auch in dem Streben nach diesem Ziel vermöge der Verschiedenheit der Schulen ein weiter Spiel- raum gelassen sein, es würde doch jede Lehranstalt ihr wahres Wesen aus dem Auge verlieren, wenn sie nicht eine Pflanzschule ächter Menschlichkeit, edler menschlicher Denkart und Gesinnung sein wollte. Und gewiss haben wir Ursache uns zu freuen, dass man dieses höchste Ziel der Thätigkeit jeder Schule in der neueren Zeit immer mehr erkannt hat, dass man immer mehr zu der Einsicht gelangt ist, wie wenig jenes Ziel mit der Religion, die wir bekennen, oder mit der Bestimmung der künftigen Staats- bürger und Staatsdiener im Widerspruch steht. Je mehr man vielmehr das Christen- thum in dem Sinne und Geist auffassen lernt, der in dem heiligen Wirken der ersten Verkündiger dieser Weltreligion d. h. dieser das ganze Menschengeschlecht umfassenden und seinen Bedürfnissen entsprechenden Religion unverkennbar sich darlegt, desto mehr wird man einsehn, wie sehr es geeignet ist, um eben bei dem Streben nach jenem Ziel, der Bildung zu ächter Menschlichkeit, die rechte Norm und Richtschnur zu geben, und welcher Schatz in dem ächten Christenthum allen Schulen verliehen ist, dessen sorgfäl- tige Pflege ihnen obliegt, damit die Jugend mit lebendigem Glauben an die höchsten

*) S. Anmerkung 6.