Aufsatz 
Eine Rede über Trennung und Zusammenhang der Schulen : nebst Anmerkungen
Entstehung
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gangen! Und die Entstehung der jetzt bestehenden Unterrichtsanstalten mit bestimmtem Zweck und scharfer Begrenzung ihrer Wirksamkeit, ist vorzugsweise das Werk des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts. Zwar hatte man schon mehrere Jahrhun- derte vor der Reformation in einigen bedeutenderen Städten, denen auch hier und da kleinere Städte folgten, Schulen mit eigenen Lehrern angelegt. Aber diese sogenannten städtischen Schulen waren nicht regelmässig geordnete, sondern nur von gemietheten Lehrern geleitete, dem Zufall und beständigem Wechsel anheim gegebene Anstalten. Wenn nun auch der Geist der Reformation im 16. Jahrhundert in dem protestantischen Deutschland vorzüglich ausser mehreren Universitäten eine Reihe von höheren theils für kirchliche Zwecke und zur Bildung künftiger Geistlichen, theils zur allgemeinen wissenschaftlichen Vorbereitung künftiger Staats- und Kirchenbeamten bestimmte Schu- len hervorrief, die den Abgang der Kloster- und Domschulen ersetzen sollten und die stets ein herrliches Vermächtniss für die Nachwelt bleiben,*) wenn auch eine Menge von Stadt- und Landschulen allmählich durch das Zusammenwirken weltlicher und kirchlicher Oberen sowie der Gemeinden entstand, ein wohl geordnetes, auf die Bedürf- nisse der Jugend nach allen Seiten berechnetes Schulwesen liess die Richtung jener Zeit nicht aufkommen, ja nicht einmal ins Auge fassen. Erst im 18. und 19. Jahrhun- dert geschah es, dass man Gymnasien als für die Universität durch eine allgemeinere wissenschaftliche Grundlegung vorbereitende Anstalten von Bürgerschulen und von höheren academischen Instituten sorgfältig schied, dass man Land- und Stadtschulen unter den gemeinsamen Begriff der Volksschule brachte, aber nach der Beschaffenheit der Lernenden verschieden gestaltete und an allen Orten einführte, dass man für die Ausbildung der weiblichen Jugend durch öffentliche Schulen zu sorgen sich angelegen sein liess, dass man Institute gründete, wodurch künftige Lehrer der Volksschulen für ihren Beruf vorbereitet werden, dass man für die aus der Volksschule entlassenen Handwerkslehrlinge Fortbildungsanstalten errichtete, dass man ferner durch die Anlegung höherer Bürgerschulen die Bedürfnisse solcher berücksichtigte, welche zwar eine über den Bereich der Volksschule hinausgehende Bildung nicht entbehren können, aber ver- möge ihrer mehr practische Fertigkeit als wissenschaftliche Einsicht fordernden Bestim- mung den längeren und schwierigeren Weg der Studien des classischen Alterthums, wie sie das Gymnasium bietet, verschmähen, dass man endlich diesen höheren Bürger-

*) S. Anmerkung 3.