³
erst durch die Vereinigung der Feiernden unter einander seine hohe Bedeutung erhalten würde, so wird auch die Feier, welche der erhabenen Person des Landesfürsten als solchen gewidmet ist, erst dadurch recht bedeutsam, dass sie als eine gemeinsame Festlichkeit des ganzen Vaterlandes sich darstellt und diese hohe Bedeutung des heu- tigen Festes wird noch mehr sichtbar werden, wenn es erst dahin gekommen sein wird, dass nicht bloss einzelne Kreise zu dessen Feier zusammentreten, sondern dass alle Classen der Bürger, mögen sie in diesem oder jenem Beruf, durch diese oder jene Art der Thätigkeit dem Staate dienen, das Fest als ein ächt vaterländisches betrachten und der Feier desselben sich anschliessen.“) Aber wenn auch zu wünschen wäre, dass dem Feste, das wir heute begehen, um eine allgemeinere Theilnahme des Volks an demselben hervorzurufen, und seine für alle Bürger gemeinsame Bedeutung ins Licht zu setzen, eine kirchliche und dadurch eine religiöse Weihe verliehen würde,*) so scheint es doch die Natur der Sache zu fordern, dass bei der in einem engeren Kreise veranstalteten Feier der Standpunct eingehalten werde, welcher dem Ort der Feier angemessen ist. Darum werden sich die Worte, welche ich als Vertreter dieser Schul- anstalt zu sprechen gedenke, auf die Schule allein beziehen. Jedoch, um auch hier den Gesichtspunct über die Grenze der nächsten Umgebung zu erweitern und der Idee des gesammten Yaterlandes ihr Recht angedeihen zu lassen, will ich von der Nothwen- digkeit der Trennung und der Verbindung reden, welche unter den verschiedenen Schulanstalten eines Staats besteht und bestehen soll.
Gross und mannigfaltig ist die Zahl der Schulanstalten, welche jetzt in jedem christlichen und auf der Höhe der modernen Civilisation stehenden Staate, die auch in dem unsrigen gefunden werden. Hier, weim irgendwo sonst, zeigt sich ein in die Augen fallender Fortschritt gegen frühere Zeiten. Stifts- und Kloster-Schulen waren ausser dem höchst dürftigen Unterricht, den die Geistlichen des Orts den Kindern der Gemeinde ertheilten, die einzigen Unterrichtsanstalten, welche man den grössten Theil des Mittelalters hindurch kannte, und über welche sich erst gegen Ende des 12. einige Hochschulen oder Universitäten als freiere wissenschaftliche Institute in Europa und erst im 14. und 15. Jahrhundert in Deutschland erhoben. Aber welche Menge von ver- schiedenen, regelmässig geordneten Schulanstalten ist aus jenem kleinen Anfang hervorge-
*) S. Anmerkung 1. **⁴) S. Anmerkung 2.


