— 45—
der Lehrer und Schuͤler, worin nach einer Anrede des Directors die Geſetze vorgeleſen und die neuen Schuͤler durch Handſchlag verpflichtet wurden, eroͤffnet und am 2. October 1840 geſchloſſen. Die Pruͤfung, welche ſonſt im Beiſein aller Lehrer und mit ſaͤmmtlichen Claſſen nach einander auch im Herbſt vorgenommen zu werden pflegt, fiel dieß Mal aus, weil der Director und zwei andere Lehrer, Dr. Wiskemann und Gies, um an der den 29. Septbr. eroͤffneten Verſamm⸗ lung deutſcher Philologen und Schulmaͤnner Theil zu nehmen, auf fuͤnf Tage vor dem Schluß des Halbjahrs Urlaub erhalten hatten. Doch hielt der Director vor ſeiner Abreiſe Privatprüͤ⸗ fungen in den verſchiedenen Claſſen und entließ die fuͤr reif zu den academiſchen Studien erklaͤrten Primaner in einer feierlichen Verſammlung der Lehrer und Schuͤler am 26. September, nachdem der abgehende Primaner, Eduard Spangenberg aus Arnsbach, eine von ihm ſelbſt ausgear⸗ beitete Rede uͤber das von ihm gewaͤhlte Thema: Welche Gefuͤhle muͤſſen in der Bruſt des zur Hochſchule abgehenden Juͤnglings rege werden, gehalten hatte.
Im Laufe des Sommerhalbjahrs fanden noch folgende Feierlichkeiten Statt 1) Am 20. Auguſt 1840 feierte das Gymnaſium den Geburtstag des gnaͤdigſten Landsherrn Sr. Hoheit des Kur⸗ prinzen und Mitregenten durch einen im großen, mit Blumengewinden ausgeſchmuͤckten Au⸗ ditorium gehaltenen Sing⸗ und Redeact, welchem auf die Einladung des Directors die meiſten Behoͤrden in hieſiger Stadt und viele andere Zuhoͤrer beiwohnten. Der Primaner Heinrich Schimmel⸗ pfeng aus Hersfeld hielt eine von ihm ſelbſt ausgearbeitete Rede uͤber das Thema: wie ſehr die Liebe zum Vaterland durch die Kenntniß deſſelben befoͤrdert werde, und der Primaner Chri⸗ ſtian Roos aus Homberg eine gleiche uͤber den Einfluß der Erfindung der Buchdruckerkunſt auf die Befoͤrderung der Reformation. Auſſerdem wurden mehrere Geſaͤnge unter der Leitung des Geſanglehrers von den Schuͤlern ausgefuͤhrt und einige Schuͤler aus verſchiedenen Claſſen machten Verſuche im Declamiren. Der Director ſchloß die Feierlichkeit mit einem Vortrag uͤber den Werth vaterlaͤndiſcher Feſte und fuͤgte der Feier des Tags angemeſſene Ermahnungen an die Schuͤler der Anſtalt hinzu. Die Feier wurde Nachmittags im Freien von ſaͤmmtlichen Lehrern und Schuͤlern unter heiterem Beiſammenſein fortgeſetzt.— 2) Am 23. Auguſt genoſſen Lehrer und Schuler gemeinſchaftlich das heilige Abendmahl, nachdem Tags vorher Dr. Deichmann eine angemeſſene Vorbereitungsrede im Gymnaſium gehalten hatte.
Durch ein hoͤchſtes Reſcript vom 20. Juli 1840 wurde der Gymnaſial⸗Practicant Wilhelm Gies zum Huͤlfslehrer bei dem hieſigen Gymnaſium unter Bewilligung eines Gehalts von 300 Thalern jaͤhrlich, welche er bisher als Remuneration für ſeine Lehrerthaͤtigkeit bezogen hatte, gnaͤdigſt ernannt und dieſe Ernennung durch einen Beſchluß Kurfuͤrſtlichen Miniſteriums des Innern vom 10. Auguſt dem Director mitgetheilt.


