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den koͤnnte und hernach nichts uͤbrig bliebe, als gewiſſe Willkuͤhrlichkeiten und Sonderbar⸗ keiten des Sprachgebrauchs zu merken, die nur dazu dienen ſollen, um die Rede zierlicher und kunſtvoller zu machen. Aber es iſt vielmehr noͤthig, auch auf der hoͤchſten Stufe des lateiniſchen Sprach⸗Unterrichts die Einfuͤhrung in die Sprachgeſetze fortzuſetzen und weiter zu fuͤhren, theils weil jetzt der Schuͤler den Grund vieler Spracherſcheinungen einzurſehen vermag, die er vorher nur als ſolche auffaſſen und anwenden gelernt hat, theils weil nur durch beſtaͤndige Wiederbelebung des einmal in ſich aufgenommenen Sprachſchatzes, der nicht bloß in den Woͤrtern, ſondern ebenſo⸗ wohl in deren Verbindung beſteht, der Schuͤler deſſelben maͤchtig bleibt, theils endlich, weil ſo viele Seiten des Sprachgebrauchs, welche nur bei einer oberflaͤchlichen Anſicht als willkuͤhrliche Abweichungen vom regelrechten Gebrauch erſcheinen, durch welche aber erſt ein helleres Licht auf das innerſte Weſen der lateiniſchen Sprache geworfen wird und durch welche der Schuͤler einen tiefern Blick in den Geiſt der Sprache thun lernt, weil ſolche Seiten des Sprachgebrauchs erſt von dem gereiften und mit reicherem Material ausgeſtatteten Schuͤler erkannt werden koͤnnen. Aber um alles dieſes zu erreichen, um die Aufmerkſamkeit des Lernenden auf die feineren Nuͤancen des Aus⸗ drucks zu erregen, um ihn zu pruͤfen und ſich pruͤfen zu laſſen, ob er der Sprachgeſetze und der feineren Schattirungen der den Roͤmern eigenthuͤmlichen Darſtellungsweiſe ſich deutlich bewußt iſt, um ihn auf die Wichtigkeit der Stellung der Woͤrter und der Saͤtze hinzuweiſen, um ihn an die latein. Perioden⸗ bildung, an die Beobachtung des Wohlklangs, an die Unterſcheidung der Synonymen zu gewoͤhnen, zu dieſem Allen iſt die eigne Uebung im Schreiben der kürzeſte, der ſicherſte und der wirkſamſte Weg, der durch keine noch ſo ausfuͤhrliche Deduction der Sprachgeſetze erſetzt werden kann. Wird aber die Auffaſſung der Sprachgeſetze durch dieſe Uebungen mehr als durch alles Andere gefoͤrdert und erleichtert, ſo gilt dieß eben ſo ſehr von dem Eindringen in den Geiſt der Schrift⸗ ſteller. Denn nur durch die lebendige Erkenntniß der Sprachgeſetze iſt dieß Eindringen moͤglich. Doch die Schriftſteller ſollen nicht bloß verſtanden, ſondern auch die Angemeſſenheit ihrer Dar⸗ ſtellung zu den Gedanken und dem vorgeſetzten Zweck ſoll erkannt werden. Es iſt alſo der wich⸗ tigſte Geſichtspunct bei der Erklaͤrung der Schriftſteller, die Art begreiflich zu machen, wie die Gedanken im Einzelnen und im Ganzen geſtaltet werden, um ſie in das Licht zu ſtellen, welches ihnen der Verfaſſer ſeinem Zwecke gemaͤß geben will. Die Form iſt mithin der Hauptgrund, um deſſen willen wir die Alten leſen, die Gedanken, der Inhalt kommen nur in ſo fern in Betracht, als die Form ihrer Natur nach erſt dadurch Bedeutung erhaͤlt, daß ſie einen gewiſſen Inhalt dar⸗ ſtellt und demſelben angepaßt iſt. Aber gewiß iſt es von großer Wichtggkeit, dieſen Geſichtspunct ſtreng feſtzuhalten, damit bei der Erklaͤrung der Alten, welche ſo vielen Spielraum darbietet und ſo leicht zu Abſchweifungen von der Hauptſache Veranlaſſung giebt, eine feſte Regel, ein beſtimmtes 3


