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Maaß beobachtet werde. Was aber kann den Schuͤler beſſer auf den rechten Geſichtspunct hin⸗ weiſen, was auch den Lehrer leichter vor Abſchweifungen von der rechten Bahn bewahren, als daß mit der Leſung der Alten immer das Streben in Verbindung geſetzt wird, die Form derſelben in eignen Productionen nachzubilden und anzuwenden? Ja nimmermehr wird der Schuͤler diejenige Frucht vom Leſen der Alten gewinnen, welche als die wichtigſte und nachhaltigſte angeſehen werden muß, wenn ihm nicht immer als ein Hauptziel ſeiner Beſtrebungen vorgehalten wird, die Form des Schriftſtellers aufzufaſſen und zu einem lebendigen Abbilde in ſich ſo zu geſtalten, daß er jene Form auch in eignen Productionen nachzuahmen vermag. Es muͤſſen daher latein. Compoſitionen ſtets dem Leſen der Schriftſteller zur Seite gehen und dieſe Compoſitionen werden nur dann ihren Zweck erreichen, wenn ſie nicht bloß in Ueberſetzungen aus der Mutterſprache beſtehen, ſondern auch ſolche Arbeiten in lateiniſcher Sprache aufgegeben werden, in denen erſt eine frei ſich bewegende Reproduction des in dem Innern der Seele empfangenen und tief eingepraͤgten Bildes der Form aͤcht lateiniſcher Sprachdarſtellung moͤglich wird. Doch folgt eben hieraus, daß in der Regel bloß muſterguͤltige Schriftſteller auf Schulen geleſen werden müſſen, bei denen eine Nachbildung der Form zutraͤglich und angemeſſen iſt und daß nur zur Vergleichung mit dem muſterguͤltigen Sprach⸗ gebrauch ein oder der andere Schriftſteller z. B. Tacitus auf kurze Zeit eintreten darf, bei dem die Umgeſtaltung der Form nach den als Muſter geltenden Schriftſtellern des goldnen Zeitalters zu einer Hauptaufgabe zu machen waͤre. Ferner folgt aus dem Geſagten, daß nur ſolche Aufgaben zu freier lateiniſcher Bearbeitung dem Schuͤler zu geben ſind, in denen er die aus den Schrift⸗ ſtellern erkannte Form wirklich nachzubilden im Stande iſt, daß ſtufenweiſe von Erzaͤhlungen zu Briefen, von dieſen zu Abhandlungen und Reden fortzugehen iſt, und daß man, waͤhrend der Schuͤler immer mit der Uebung im Stil die Leſung gleichartiger Schriftſteller im oͤffentlichen Unterricht oder in ſeinen Privatſtudien zu verbinden hat, ſolche Materien waͤhlen muß, die ſich dem, was in den Schriften der Alten vorkommt, eng anſchließen, nicht aber ſolche, welche bloß der neuern Zeit und Wiſſenſchaft angehoͤren. Wird alſo auch zugegeben, daß beim lateiniſchen Sprachunterricht die Schreibfertigkeit nicht Zweck an ſich iſt, ſondern nur ein Mittel, um in die Sprachgeſetze ein⸗ zudringen und das, was den Schriftſtellern ihren bleibenden Werth fuͤr alle Zeiten giebt, ſich anzu⸗ eignen, ſo moͤchte doch aus dieſer Darſtellung des innigen und, man kann wohl ſagen, unaufloͤsli⸗ chen Zuſammenhangs der Uebungen im Lateiniſch⸗Schreiben mit den genannten Zwecken folgen, daß ein Angriff auf jene Uebungen auch einen Angriff auf das lateiniſche Sprachſtudium uͤberhaupt enthaͤlt, und daß dieſes mit dem Nachlaſſen jener Uebungen nothwendig in Verfall gerathen und ohne dieſelben der Gewinn, um deſſen willen es als Hauptgegenſtand des Unterrichts auf Gym⸗ naſien eingefuͤhrt iſt, verloren gehen würde. Ueberhaupt iſt Uebung, ſelbſtthaͤtige Anwendung des


