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an ſich tragen, in das Lateiniſche uͤberſetzen zu laſſen, iſt zwar keineswegs zu verwerfen, es iſt aber dann erſt ein guter Erfolg von dieſer Uebung zu erwarten, wenn der Schuͤler ſchon in ganz freier Geſtaltung des lateiniſchen Ausdrucks ohne Zugrundlegung der Mutterſprache einige Fertig⸗ keit erlangt, wenn er ſchon lateiniſch denken gelernt hat. Jedoch Manche, wie Benecke und Klumpp, glauben, es genuͤge, die Uebungen im Lateiniſch⸗Schreiben ſo lange fortzuſetzen, bis die gewoͤhnlichen lateiniſchen Sprachgeſetze durch Anwendung derſelben dem Schuͤler gelaͤufig gemacht worden waͤren; ſobald dieß geſchehen ſei, dann koͤnne die Nachweiſung der feineren Schatti⸗ rungen und Unterſchiede des Sprachgebrauchs bloß an den Schriftſtellern geſchehen oder man koͤnne die Grammatik nun ganz zuruͤckſtellen und ſich auf Leſen und Erklaͤren der beßten Schriftſteller beſchraͤnken, um die Schuͤler in den Geiſt derſelben einzuweihen. Einigen Anlaß oder einen ſchein⸗ baren Grund zu dieſer Anſicht haben diejenigen Grammatiker gegeben, welche ihrer Grammatik eine ſogenannte Syntaxis ornata als Anhang beigefuͤgt haben, als ob die Eigenthuͤmlichkeiten der lateiniſchen Sprache, welche dieſe Syntaxis ornata darſtellen ſoll, nicht ebenfalls in Sprach⸗ geſetzen ihren Grund haͤtten, ſondern nur aus einem willkuͤhrlichen Beſtreben der Schriftſteller hervorgegangen waͤren, von dem hergebrachten Sprachgebrauch abzuweichen oder uͤber denſelben hinauszugehen.*) Hierdurch muß dann die Meinung entſtehen, als wenn das Syſtem der lateini⸗ ſchen Grammatik ſchon auf den niederen Stufen des Unterrichts in Gymnaſien abgeſchloſſen wer⸗
Verdienſt um die Förderung einer guten Latinität erworben, wenn gleich die weitläufige Expoſition der Regeln mehr für das Privatſtudium als für den öffentlichen Unterricht paßt. Zumpt's etwas zu ſehr latiniſtrende Anleitung iſt durch den, wie es ſcheint, aus buchhändleriſcher Gewinnſucht hervorgegange⸗ nen Abdruck der Originale in der Schule ganz unbrauchbar geworden.
*) Sogar in Zumpts Grammatik, die am weiteſten verbreitet iſt und bei allen Mängeln der An⸗ ordnung und des innern Zuſammenhangs durch die Klarheit und Zuverläſſigkeit ihrer Regeln ſich vor andern empftehlt, der man es überall anſieht, daß ſie von einem tüchtigen Kenner der Sprache ausge⸗ gangen iſt, wird noch immer nach dem Vorgang G. F. Grotefend's die von andern Grammatikern, wie Ramshorn, Aug. Grotefend, Billroth, Weißenborn, Reiſig u. A. aufgegebene Syntaxis ornata beibehalten. Mancher wird vieheicht dieſe Verſchiedenheit als nur auf einem Wortſtreit beruhend betrachten. Aber die Folge, in welcher die Sprachgeſetze aufgeſtellt werden, hängt ſehr innig mit dem innern Weſen der Sprache zuſammen und erleichtert oder erſchwert die richtige Auffaſſung deſſelben. Auffallend iſt es übrigens, daß Zumpt auch in ſeiner Syntaxis ornata die wichtige Lehre von der Wort⸗ ſtellung, welche nicht bloß der Rhetorik, ſondern der Grammatik angehört, dem usus vielleicht zu viel überlaſſend, bei weitem nicht vollſtändig genug abgehandelt hat, während Aug. Grotefend beſonders in ſeiner Schulgrammatik dieſe Lehre trefflich dargeſtellt hat.


