Aufsatz 
Über den schriftlichen und mündlichen Gebrauch der alten classischen Sprachen, besonders der lateinischen, in den Gymnasien / Wilhelm Münscher
Entstehung
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ſchon lange in allen Gymnaſien die Uebungen im Griechiſch⸗Schreiben eingefuͤhrt und eben dadurch iſt ein weit gruͤndlicheres und ſichereres Verſtaͤndniß der griechiſchen Schriftſteller moͤglich gewor⸗ den. Welcher Fortſchritt in dem Unterricht der griechiſchen Sprache und gerade auch mit Huͤlfe jener Uebungen gemacht worden ſei, davon koͤnnen diejenigen am beßten Zeugniß geben, welche noch den griechiſchen Unterricht, wie er vor etwas mehr als zwanzig Jahren in vielen Schulen und namentlich in den heſſiſchen ertheilt wurde, aus eigner Erfahrung kennen gelernt haben und bei der Vergleichung des gegenwaͤrtigen Zuſtandes von keinem Zweig des Unterrichts mit mehr Sicherheit als von dieſem behaupten koͤnnen, daß er ſich auf eine weit hoͤhere, fruͤher kaum ge⸗ ahnte Stufe erhoben hat. Daher moͤchte es wohl ſchwerlich zu billigen ſein, wenn man in der neueſten Zeit in manchen Staaten, ſogar in Preußen, fuͤr die Maturitaͤts⸗Pruͤfungen die Forderung einer griechiſchen Arbeit d. h. einer Ueberſetzung aus dem Deutſchen ins Griechiſche aufgegeben hat, weil die Uebungen im Griechiſch⸗Schreiben hierdurch in den Augen der Schuͤler an dem ihnen mit Recht zukommenden Werth verlieren duͤrften und weil gerade die griechiſche Arbeit ein treffli⸗ ches Mittel iſt, um die Kenntniß der griechiſchen Sprache bei den Schuͤlern auf die kurzeſte und ſicherſte Weiſe zu pruͤfen. Wenigſtens wuͤrde ein Nachlaſſen der Uebungen im Griechiſch⸗Schreiben in dem Gymnaſial⸗Unterricht nicht ohne nachtheilige Folgen fuͤr das Gedeihen des griechiſchen Sprachunterrichts uͤberhaupt bleiben. Wenn man aber im Griechiſch⸗Schreiben nicht ſo hohe For⸗ derungen macht als im Lateiniſchen, wenn man in jenem ſich vorzugsweiſe darauf beſchraͤnkt, gram⸗ matiſche Richtigkeit zu erzielen, und wenn man insbeſondere freie griechiſche Arbeiten den Schuͤlern nicht aufzugeben pflegt, ſo iſt die Urſache hiervon freilich die, daß das Griechiſche erſt ſpaͤter als das Lateiniſche ſeinen gegenwaͤrtigen Rang in dem Unterricht erlangt und daher dieſe Sprache immer noch ein gewiſſes Uebergewicht uͤber jene behauptet hat. Aber es moͤchte ſich auch zeigen laſſen, daß das Lateiniſche, die Baſis der modernen Cultur, die Mutter der neuern romaniſchen Sprachen, in dem wiſſenſchaftlichen Vorbereitungsunterricht ſeinen Vorzug mit Recht behauptet und wenn wir, um die Jugend nicht zu überladen, nur in einer der alten claſſiſchen Sprachen die Schreibe⸗ und Rede⸗Fertigkeit ſoweit zu foͤrdern ſuchen, als es noͤthig iſt, um die bildende Kraft, welche der Uebung in dieſer Fertigkeit uͤberhaupt einwohnt, in vollem Maaße zur Entwickelung zu brin⸗ gen, ſo liegt uns das Lateiniſche, von dem der Unterricht in den claſſiſchen Studien ausgeht und welchem fruͤher und ſpaͤter eine groͤßere Zeit gewidmet wird, nicht bloß zu jenem Zwecke naͤher, ſon⸗ dern es eignet ſich auch die lateiniſche Sprache wegen ihres mehr abgemeſſenen Sprachgebrauchs und wegen ihres rhetoriſchen auf Effect berechneten Charakters mehr als die griechiſche dazu, um die Jugend zur Fertigkeit in fremder Zunge zu fuͤhren. Auch durfte der Schuͤler, ſobald er ein⸗ mal in einer Sprache gewoͤhnt iſt, durch Uebungen im Sprechen und Schreiben in das fremde 2*