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an wahrem Leben einwohnen, weil es nur das matte Nachbild einer aus dem Leben entſchwunde⸗ nen Sprache ſei, welche dem, der ſie jetzt ſchreibt, eine freie und lebenskraͤftige Entwickelung der Gedanken nicht geſtatte.
In Beziehung auf dieſe Angriffe gegen den Gebrauch der lateiniſchen Sprache im Reden und Schreiben muß zugegeben werden, daß allerdings der Hauptzweck, um deſſen willen wir das Lateiniſche treiben, nicht die Erlangung einer Fertigkeit in dieſer Sprache, ſondern Einweihung in die Sprach⸗ geſetze und das dadurch erſt moͤglich werdende gruͤndliche Verſtaͤndniß der claſſiſchen lat. Schrift⸗ ſteller iſt und ich bin fuͤr mein Theil uͤberzeugt, daß diejenige Gelehrten⸗Schule ihren Standpunkt verkennen wuͤrde, welche bei dem Unterricht in den alten Sprachen mehr jenen erſteren Zweck, die Sprachfertigkeit, als die uͤbrigen ſich zum Ziel ſetzen wollte. Aber um die Sprachgeſetze richtig zu erkennen, tief einzupraͤgen und lebendig aufzufaſſen, ferner um die Schriftſteller nicht bloß ober⸗ faͤchlich zu verſtehen, ſondern um ſich ihren Geiſt ſo viel als moͤglich anzueignen und in ihnen heimiſch zu werden, dazu iſt die Uebung im Schreiben der fremden Sprache von großem Werthe. Denn die Berufung auf die griechiſche Sprache oder auf die neueren, die ohne Stiluͤbungen ſo weit erlernt wuͤrden, daß man auch ſchwerere Schriftſteller zu verſtehen vermoͤge, möchte ſich leicht als nichts beweiſend darſtellen laſſen. Hinſichtlich der griechiſchen Sprache iſt man von der Anſicht Erneſti's laͤngſt zuruͤckgekommen. Der Grund, warum dieſer in ſeiner Zeit ausgezeichnete Kenner auch der griechiſchen Sprache ſich gegen die griechiſchen Stiluͤbungen erklaͤrte, lag vorzuͤglich darin, daß damals die Dialecte der griechiſchen Sprache nach ihren Abweichungen und nach ihrem durch⸗ aus verſchiedenen Gepraͤge im Allgemeinen noch nicht hinlaͤnglich erkannt, wenigſtens in den Schu⸗ len, in denen man die Lectuͤre des N. T. oft mehr als die der Profan⸗Scribenten betrieb, von den Schuͤlern nur ſehr unvollkommen aufgefaßt wurden, und daß dieſe deßwegen bei den Uebun⸗ gen im Griechiſch⸗Schreiben, ſtatt den attiſchen Dialect zur einzigen Richtſchnur zu nehmen, Formen und Woͤrter aus aͤlterer und neuerer Zeit und aus den verſchiedenſten Dialecten durch einander mengten. Hierdurch entſtand ein buntes Gemiſch einander widerſprechender Ausdruckswei⸗ ſen, das mit Recht den Widerwillen eines Jeden erregen mußte, der durch reiche Beleſenheit ein lebhaftes Gefühl fuͤr den harmoniſchen Ausdruck der Griechen, wie er in ihren muſterguͤltigen pro⸗ ſaiſchen Schriftſtellern vorliegt, ſich erworben hatte. Auſſerdem war aber die grammatiſche Kennt⸗ niß, zumal der grammatiſche Unterricht der griechiſchen Sprache noch in der Kindheit und erſt durch die Bemuͤhungen eines G. Hermann, eines Ph. Buttmann, eines A. Matthiaͤ und Anderer iſt es gelungen, die Mannigfaltigkeit der griechiſchen Formenbildung ſowie der Syntax in ihrem innern Zuſammenhang und in ihrer Einſtimmigkeit mit den Geſetzen des Denkens ſo zu erkennen und darzulegen, daß auch der Lernende ſie leicht aufzufaſſen und anzuwenden vermag. Daher ſind


