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iſt, wenn jetzt die meiſten Schriften nicht in der lateiniſchen, ſondern in der Landesſprache erſchei⸗ nen, und wenn endlich auch zugegeben werden muß, daß kein Vortheil daraus erwachſen wuͤrde, wenn diejenigen wiſſenſchaftlichen Werke, welche am meiſten Gemeingut aller gebildeten Nationen ſind, die mathematiſchen, naturwiſſenſchaftlichen und hiſtoriſchen, ſtatt in der Mutterſprache, viel⸗ mehr in lateiniſcher Sprache geſchrieben wuͤrden, da von jedem Gelehrten mit Recht verlangt werden kann, daß er ſoviel Kenntniß der neueren Sprachen ſich aneigne, um ſolche Werke, wenn ſie nicht uͤberſetzt werden, auch in der Urſprache zu verſtehen, ſo beweiſt dieß Alles nichts gegen die Uebung im Gebrauch der lateiniſchen Sprache auf Schulen. Denn, wenn ſich zeigen ſollte, daß dieſe Uebungen ein wichtiges und durch nichts Anderes erſetzbares Element ebenſowohl fuͤr die Ausbildung des Geiſtes uͤberhaupt, als fuͤr die Einweihung in die Sprachgeſetze und fuͤr das Verſtaͤndniß der Schriftſteller insbeſondere enthalten, ſo wuͤrden dieſe Uebungen immer noch in ihrem vollen Umfang und in alter Strenge beizubehalten ſein, moͤgen auch diejenigen Schuͤler, welche dereinſt als Schriftſteller auftreten werden— und dieſer moͤchten wohl immer nur wenige ſein — bloß der deutſchen Sprache ſich bedienen oder zum Verſtaͤndniß der wiſſenſchaftlichen Werke nur der Mutterſprache oder der uͤbrigen neueren Sprachen beduͤrfen. Was aber die Ein⸗ fuͤhrung der Uebungen betrifft, von denen hier die Rede iſt, ſo verdanken dieſelben, wie ſie jetzt getrieben werden, ihren Urſprung nicht dem Mittelalter, in welchem ein ſcholaſtiſches dem alten und neuern Latein unaͤhnliches Kirchenlatein herrſchend war, ſondern der ſegensreichen Wiederherſtellung eines geſchmackvollen und freien Studiums der Wiſſenſchaften im 15. und 16. Jahrhundert, als man von inniger Bewunderung der erhabenen Geiſteswerke der Roͤmer und Griechen ergriffen, in der Fertigkeit, ihre Werke in ihrer Sprache nachzubilden, ein treffliches, ja das einzige Mittel erkannte, um ihren Geiſt in ſich aufzunehmen und um zugleich zu einer wahrhaft ſchoͤnen Aus⸗ drucksweiſe zu gelangen. Sind aber lateiniſche Schriftwerke neuerer Zeit und insbeſondere die Diſſertationen, welche auf Univerſitaͤten geſchrieben werden, oft mangelhaft und fehlervoll,
ſollten. Wäre die Wahl der Sprache dem Schriftſteller durch Herkommen oder irgend eine äußere Rückſicht beſchränkt, ſo würde das weder für die Wiſſenſchaft noch für die lateiniſche Sprache förderlich ſein. Die Verbreitung neuer Meinungen im Volke aber würde entweder durch Ueberſetzungen oder durch Anhänger und Ankläger dennoch geſchehen. Ueberhaupt iſt die Idee einer Gelehrtenſprache, wollte man ſie auch nur für einen Theil, der Wiſſenſchaften feſthalten, veraltet und kann bei dem Umſchwung, den unſere geſammte Literatur ſowie die der übrigen Nationen im Fortgang der Zeit genommen hat, nicht mehr zurückgerufen werden. Nur iſt zu wünſchen, daß gut geſchriebene lateiniſche Werke in den Fä⸗ chern, die ſich zu lateiniſchen Darſtellungen eignen, nicht ganz aufhören möchten. Und dieß wird bei der Regſamkeit der philologiſchen Studien in Deutſchland wenigſtens in dem philologiſchen Fache nicht geſchehen.


