— 7—
die Nothwendigkeit der Abſtellung des Lateiniſch⸗Schreibens und Redens auf Schulen und Univerſitaͤten*) zu beweiſen geſucht.
Die Gruͤnde, welche man anfuͤhrt ſind folgende:
1) Der ſchriftliche und muͤndliche Gebrauch der lateiniſchen Sprache ſchreibt ſich aus den Zeiten des Mittelalters her, in welchem die lateiniſche Sprache Staats⸗, Kirchen⸗, und weil die Geiſtlichen die einzigen Gelehrten waren, auch Gelehrten⸗Sprache war. Jetzt aber hat ſich Alles veraͤndert. Das Lateiniſche hat ſeine Geltung nicht bloß in dem Staat und in der Kirche, ſondern auch als Gelehrtenſprache verloren. Die vorzuͤglichſten Werke erſcheinen ſchon lange in der Mutterſprache, theils bei den Deutſchen, die noch am zaͤhſten das Lateiniſche feſthielten, theils bei den uͤbrigen gebildeten Voͤlkern Europens, ja es wuͤrden ſich die Ideen der neueren Zeit gar nicht in der beſchraͤnkten Form einer todten und abgeſchloſſenen Sprache, wie die lateiniſche iſt, ausſprechen laſſen und es wuͤrde der freien Geiſtesentwickelung nur Schaden bringen, wenn die Gelehrten unſerer Zeit ſich jener abgeſtorbenen Sprache bedienen und die aus dem Innerſten der Seele ausſtroͤmenden Gedanken, fuͤr welche nur durch die Mutterſprache eine angemeſſene Form dargeboten wird, in den beengenden Kreis einer fremden, nur muͤhſam erlernten und nie dem ganzen inneren Menſchen ſich anbequemenden Ausdrucksweiſe einſchließen wollten. Auch fuͤhrt man die vielen ſtuͤmperhaften Schriften an, die ſogar von Gelehrten in lateiniſcher Sprache aus⸗ gegangen ſind oder, wenn ſie dieſen ſteilen Pfad einmal betreten, meiſtentheils noch immer ausgehen. Insbeſondere weiſ't man darauf hin, wie mangelhaft oft die Diſſertationen und Commentationen ausfallen, welche auf den Univerſitaͤten dem Herkommen gemaͤß in lateiniſcher Sprache abgefaßt werden.
Auf dieſe Art von Einwuͤrfen laͤßt ſich nun leicht antworten, ſobald es ſich nur um die Uebungen des Lateiniſch⸗Schreibens und Sprechens in den Schulen handelt. Denn wenn es auch wahr iſt, daß das Latkeiniſche ſeinen Rang als Gelehrten⸗Sprache inſofern voͤllig verloren hat, als die Gelehrten nicht mehr, wie ſonſt, in wiſſenſchaftlichen Werken der lateiniſchen Sprache ſich ausſchließlich bedienen, vielmehr weit haͤufiger in deutſcher Sprache ihre Werke erſcheinen laſſen,**) wenn es auch ferner wahr iſt, daß es ein Gewinn fuͤr die Wiſſenſchaften geworden
*) Berlin 1839. In den Hall. Jahrbüchern 1839. Juli. Nr. 479— 181 findet ſich eine den Verfaſſer noch überbietende Recenſton dieſer Schrift, welche in vielen Witzworten ſich ergeht, aber von einem ſehr einſeitigen Standpunkt aus die Sache beleuchtet.—
**) Eine, wie mich dünkt, ſonderbare Forderung iſt es, die Manche geäußert haben, daß Werke, in denen neue Unterſuchungen über wiſſenſchaftliche Gegenſtände geführt werden, beſonders ſolche, welche dem religiöſen Glauben des Volks Gefahr bringen können, in lateiniſcher Sprache geſchrieben werden


