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alle zu hoͤherer Bildung beſtimmte Schuͤler verlangen, ſind geneigt, an den ſtrengen Forderungen hinſichtlich des Unterrichts in den claſſiſchen Sprachen nachzulaſſen und wollen eben deßwegen die Uebungen im Lateiniſch⸗Schreiben und Sprechen ermaͤßigt ſehen, damit die Gymnaſien als allgemeine Bildungsanſtalten fuͤr alle, auch fuͤr die, welche zu einem rein praktiſchen Berufe ſich vorbereiten, dienen koͤnnen.*) Doch auch ſolche, welche eine Trennung des Gymnaſial⸗ und Real⸗ Schulweſens wenigſtens in den hoͤheren Stufen des Unterrichts fuͤr nothwendig halten, dringen auf Ermaͤßigung oder Aufhebung der Uebungen im muͤndlichen und ſchriftlichen Gebrauch der lateiniſchen Sprache. Soviel ich weiß, iſt F. W. Klumpp**) der erſte gelehrte Schulmann in der neuern Zeit geweſen, welcher ſich gegen die Fortſetzung der Uebungen im Schreiben und Sprechen des Lateiniſchen bis in die hoͤchſten Stufen des Gymnaſial⸗Unterrichts offen erklaͤrt hat. Nachher hat der beruͤhmte Philoſoph F. E. Benecke in ſeiner wegen ihrer pſychologiſchen Eroͤrterungen hoͤchſt ſchaͤtzbaren Erziehungs⸗ und Unterrichtslehre**) ſich dahin ausgeſprochen, daß man nur zur elementariſchen Erlernung der lateiniſchen Sprache die Schuͤler in latei⸗ niſchen Compoſitionen fleißig uͤben, auf den hoͤheren Stufen des Unterrichts aber die Uebungen im Schreiben immer mehr beſchraͤnken und wenigſtens uͤberall die Anleitung zum freien Lateiniſch⸗ Schreiben unterlaſſen ſolle. In der neueſten Zeit hat J. W. Neumann in einer eigenen Schrift
wieſen, ob das Franzöſiſche und die Mutterſprache genügen, oder ob durch die Anfangsgründe des Lateiniſchen, auf welche man ſich immer würde beſchränken müſſen, mehr geleiſtet wird, um den Schü⸗ lern eine gediegene Sprachkenntniß, ſoweit ſie nöthig iſt, beizubringen.
*) Hierauf muß auch Dilthey's freilich nach meiner Ueberzeugung durchaus unhaltbare Anſicht in ſeiner Schrift über das Verhältniß der Real⸗ und Gewerbeſchulen zu den Gymnaſien u. ſ. w. Darm⸗ ſtadt 1839 zurückkommen, wenn er die zu practiſchen Berufsarten ebenſowohl als die zu den gelehrten Studien beſtimmten Schüler auch in den oberen Claſſen der Gymnaſien gemeinſchaftlich zu unterrichten und dieſen die lateiniſchen Schreib; und Sprech⸗Uebungen zu erlaſſen vorſchlägt. Denn wie können beide Arten von Schülern zuſammen unterrichtet werden, wenn nicht bei den eigentlichen Gymnaſtalſchü⸗ lern von den ſtrengen Forderungen viel nachgelaſſen wird?
**) in ſeinem Werke über die gelehrten Schulen nach den Grundſäten des wahren Humanismus und den Anforderungen der Zeit. Stuttgart 1829. Gewiß hat die von Thierſch in ſeinem Werke über gelehrte Schulen wegen ihrer ausgezeichneten Leiſtungen hochgeprieſene, aber von Einſeitigkeit ſchwerlich frei ſu ſprechende Betreibung der lateiniſchen Sprache in den Würtembergiſchen lateiniſchen Schulen, in welchen die Schüler ſchon frühe zu einer bedeutenden Correctheit im Lateiniſch⸗Schreiben gelangen, Klumpp zu ſeinen mit einer gediegenen Bildung durch die elaſſiſchen Studien nicht vereinbaren Vorſchlägen geführt.
**) 2. Ad. S. 231 ff. u. a. a. O. Auch den in mehreren Heften von Brzoska's Centralbiblio⸗ thek vom J. 1839 enthaltenen Abhandlungen von Benecke liegen ähnliche Anſichten zu Grunde.


