Aufsatz 
Das Erosionstal der unteren Mosel
Entstehung
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Verlaufe alle eng an den heutigen Flußlauf an. Neben diesen alluvialen Ablagerungen sind aber im ganzen unteren Moseltal auch Flußablagerungen aus vorgeschichtlicher Zeit in ausgedehntem Maße verbreitet. Sie gehören der diluvialen Erdperiode an und treten zuerst in 325 m Meereshöhe auf, um sich dann in deutlich erkennbaren Terrassen bis zu 20 m über dem heutigen Hochwasserspiegel herabzusenken. Das Moseltal hat sich also seit den ältesten Aufschüttungen um über 200 m vertieft. ¹)

Die Lage der einzelnen Terrassen anzugeben, ist überflüssig. Sie finden sich naturgemäß am besten erhalten am Flachufer der großen Serpentinen, während sie an dem Steilufer entweder abgeschwemmt oder durch den Gehängeschutt verwischt sind. Zwischen Detzem und Leiwen kann man z. B. für eine Vertiefung von 90 m etwa 8 solcher Terrassen unterscheiden, bei Trittenneim auf dem linken Ufer für eine Vertiefung von 200 m sogar deren 9. Der nun schon öfter gebrauchte Namen Terrasse darf nicht zu irrigen Vorstellungen Anlaß geben. Die Vertiefung des Tales erfolgte nicht etwa ruckweise, sondern stetig und allmählich. Die ver- schiedenen Staffeln oder Terrassen entstanden durch die lokale Wirkung der seit- lichen Erosion. Bei jeder Terrasse folgen Schichten von Schotter oder Kies, Sand und Lehm deutlich aufeinander. Spuren von Vergletscherung sind an der ganzen unteren Mosel nicht vorhanden.

Leppla hat die diluvialen Flußterrassen der Mosel in drei Gruppen einge- teilt, um den Vorgang der allmählichen Vertiefung deutlicher zu machen. Die untere Gruppe reicht bis zu 20 m, die mittlere bis zu 90 m und die obere bis zu 215 m über den heutigen Hochwasserspiegel. Die Zahlen sind natürlich nur Durch- schnittswerte. An langen geraden Laufstrecken, wie z. B. unterhalb Alf, sind die Terrassen verwischt. In den Terrassen finden sich Quarz- und Quarzitblöcke bis 0,8 m Durchmesser. Infolge der Gliederung der Terrassenaufschüttungen durch Leppla ist die Möglichkeit gegeben, gewisse Entwicklungsstufen des Mosellaufs zu verfolgen.

Wie schon oben ²) ausgeführt, erstrebt das fließende Wasser den kürzesten Weg zu seinem Ziele. Als der Rhein das Schiefergebirge durchschnitt, flossen die tertiären Binnengewässer, die sich in der Einsenkung zwischen Eifel und Hunsrück befanden, in der Richtung des heutigen Mosellaufes ab. Der Verlauf dieses Vor- läufers der heutigen Mosel muß nach den Gesetzen der Talbildung zuerst ziemlich geradlinig gewesen sein. Erst mit der Zeit bildeten sich dann bei der Vertiefung des Tales größere Krümmungen, die sich im Laufe der Zeit noch stärker ausbildeten.

Verschiedene Härte des Gesteins, Unebenheiten der Oberfläche, vielleicht auch Verwerfungen, die allerdings im Schiefer schwer festzustellen sind, mögen für den Beginn der Serpentinenbildung die Ursache gewesen sein. Diese theoretische Entwicklungsgeschichte des unteren Moseltales wird durch den Verlauf der einzelnen Terrassengruppen vollauf bestätigt. Deutlich läßt sich bei der allmählichen Ver- tiefung des Tales die immer stärkere Ausbildung der Serpentinenform verfolgen. Zahlreiche Verlegungen des Laufes fanden dabei statt. Am interessantesten ist wohl in dieser Beziehung die Laufstrecke zwischen Ehrang und Zell. Mehrere alte Tal- läufe, die der oberen Terrassengruppe angehören, lassen sich hier nachweisen. Sehr hohe Aufschüttungen finden sich nordöstlich von Schweich, bei Bekond, und auf dem rechten Moselufer bei Wintrich, beide 300 320 m Höhe ü. d. M., dann weiter unterhalb östlich von Zeltingen. Sie liegen also auf den Höhen der das Moseltal umgebenden Berge. Die Lage dieser ältesten Aufschüttungen deutet dar- auf hin, daß die Mosel in sehr früher Zeit ihren Weg von Ehrang über Schweich,

*) Vgl. z. d. Folgenden: A. Leppla, Erläut. z. d. Blättern Neumagen, Wittlich u. Bernkastel d. geol. Spez.-Karte v. Pr.; W. Ademeit in d. Forsch. z. D. L.- u. V. kunde, Bd. XIV, S. 353 ff.; H. Grebe, Jahrb. d. kön. preuß. geol. Landesanstalt, 1881, S. 455 ff., 1885, S. 133 ff., 1880, S. 100 ff.; HI. v. Dechen Erläut. z. geol. Karte d. Rheinp. u. d. Prov. Westfalen, Bd. II, S. 727 ff. s8. S. 3.