Beilage zum Jahresbericht der Groszherzoglichen Realschule zu Oppenheim. Ostern 1907.
v Dr O. Munch, Das Erosionstal der unteren Mosel.
1. Orographische Übersicht.
Der Unterlauf der Mosel umfaßt die Strecke von den Mündungen der Saar und Sauer bis Koblenz. Es ist der Teil des Flußlaufes, der im rheinischen Schiefer- gebirge verläuft. Dieses Gebirge hat im allgemeinen wie im besonderen den Charakter eines weit ausgedehnten Hochlandes, das nur durch die Einschnitte der Flüsse und Bäche in einzelne Gebirgszüge gegliedert wird. Steile und hohe Berghänge findet man einzig und allein in den Tälern. Das weite Schieferplateau wird von dem Rhein und seinen Zuflüssen bis zu beträchtlicher Tiefe durchschnitten und dadurch in einzelne Abschnitte zerlegt. Auf dem rechten Rheinufer scheidet die Lahn den Taunus vom Westerwald, auf dem linken die Mosel den Hunsrück von der Eifel.
Die mittlere Kkammhöhe des Hunsrücks vom Rhein bis zur Saar beträgt etwa 650 m, die höchste Erhebung erreicht im Erbeskopf 816 m. Der Südostrand des Hunsrücks fällt ziemlich steil zur Nahe ab, während der Nordwestabhang sich ganz allmählich zur Mosel hin abdacht. Die rechten Zuflüsse der Mosel folgen dieser Abdachung und verlaufen daher größtenteils in nordwestlicher Richtung. Die Mosel fließt an der Mündung der Saar in einer Höhe von 127,2 m, ihre Mündung bei Koblenz liegt 58 m ü. d. M. Das Schieferplateau des Hunsrücks steigt dem- nach von der Sohle des Moseltals bis zu 400— 500 m an.
Jenseits des Tales erstreckt sich das ausgedehnte, im Mittel etwa 550 m hohe Bergland der Eifel mit seinen interessanten vulkanischen Bildungen. Die Beschaffenheit des Gebirges ist auf beiden Ufern der Mosel dieselbe, sowohl dem inneren Bau wie der äußeren Form nach. Von einzelnen Teilen der Eifel kommen hier nur die sogen. Moselberge zwischen Schweich und Reil in Betracht.
Sie werden im SW. durch die Wittlicher Mulde, nach NO. hin gegen den Kondelwald durch das vom Alfbache durchströmte Höllental und nach SO. und SW. durch das Moseltal scharf begrenzt. ¹) Der höchste Gipfel der Eifel ist die Hohe Acht mit 760 m. Die mittlere Höhe der Moselberge beträgt 300— 400 m, ihre Breite zwischen dem Moseltal und der Wittlicher Bucht 3—5 km. Durch das Tal der Mosel mit seinen vielen großen Serpentinen, dann durch die Salm und Lieser und die alten Talläufe haben die Moselberge bei ihrer geringen Breitenaus- dehnung den Charakter eines wirklichen Gebirges. Der durch die Wittlicher Mulde von den Moselbergen getrennte Teil der Eifel dagegen, die sogen. Vordereifel, ist ein ausgesprochenes Plateau von 400— 500 m mittlerer Höhe.
Die Höhe nimmt langsam von N. nach 8. hin ab. Auf diesem Plateau sitzen zahlreiche erloschene Vulkane auf, die auch beträchtliche Lavamassen ausge- worfen haben. Der Abfall der Vordereifel zur Mosel ist sehr steil, wohl am steilsten an der scharfen Flußbiegung bei Bremm, wo der 381 m hohe Calmond 200 m fast senkrecht zur Mosel abstürzt.
¹) Vgl. zu dieser Termination: W. Ademeit:„Beiträge zur Siedlungsgeogr. des unt. Moselgebiets“ in Forsch. z. D. L.- und. V.kunde. Bd. 14, S. 335 ff. Heft 4.
Nr. 815.


