eine Wanderung durch den Sachsenwald zu Bismarcks Begräbnisstäfte. Eigentlich war beabsichtigt, die Fahrt nunmehr abzubrechen. Da aber Zeit, Kasse und Stimmung günstig waren, wurde be- schlossen, nach Helgoland weiterzufahren.
Sonntag in der Frühe bestiegen wir den Dampſer, der uns bei stürmischem Weitter, nicht ohne die üblichen Opler, in 7 Sfunden nach Helgoland brachte. Das brausende und schäumende Meer, das viele zum ersten Male sahen, begeisterte und entzückte Lehrer wie Schöler. Der Besuch der Insel mit ihren Aquarien, Museen, der Vogelwarte und dem Leuchfturm löste zwanglos eine Reihe ſruchtbarer biologisch-geologischer Erörterungen aus. Die Heimfahrt lieh uns bei ruhigem Wetter in eintretender Dämmerung die endlose Weite des Meeres in uns aufnehmen. Nachdem die
Neuwerker und Cuxhavener Leuchtffürme passiert waren, stiegen wir in Cuxhaven aus, wo wir
auch den nächsten Iag blieben.
Wir verschafften uns einen genauen Einblick in das Leben und Treiben des Fischereihafens, wohnten einer Fischauktion bei und besichtigten eine Fischkonserven- und Marinadenfabrik. Be- haglich träumend sahen wir stundenlang an der„Alten Liebe“, verfolgten den Rauch vorbei- ſahrender Ozeandampfer und sahen andere von der See her sich langsam heranschieben. Von der Kugelbake, wo wir das Aufkommen der Flut beobachteten, waren die Schüler kaum weg- zubringen. Das Wattenmeer und die Brandungszone mit den angetriebenen Tangen, Muscheln, Quallen usw. hielt die biologisch Interessierten staunend ſest, bis wir dann nach einer langen Strand- und Dünenwanderung, ermüdet von der frischen Seeluft, aber begeistert über das Erlebte und Erschaufe in unsere Jogendherberge heimkehrten.
In der Frühe des anderen Tages ging es mit der Bahn nach Bremen, wo uns das Rathaus, der Marktplatʒ und viele andere reiche Gebäude aus den guten Tagen der alten Hansestadt erzählten, während uns der ſolgende und letzte Tag einen eingehenden Rundgang durch die einstige Haupt- und Residenzstadt Hannover erlaubie, in der wir neben der Stadthalle und dem Rathaus auch die Villa Hindenburgs aufsuchten. Ein herrschaftliches Mittagessen in einem„Hofel“— wöhrend der letzten drei Tage wurde noch füchtig„gepraßt“— beschlohß die auch in den Einzelheiten völlig programmähig verlaufene Studienfahrt. Spät am Abend brachte uns der Zug über Kassel nach Frankfurt zurück(28. Sept.)
Neben dem erziehlichen Gewinn des gegenseitigen besseren Kennenlernens, des Rücksicht- nehmens und der Kameradschaftlichkeit darf als Ertrag der Studienfahrt gebucht werden, daß die Schüler ein gut Sfück deufschen Landes in seiner Verknüpfung und gegenseitigen Abhängigkeit von Natur- und Kulturlandschaft unter besonderer Betonung der geologisch-biologisch-kultur- geographischen Gesichtspunkte kennen gelernt haben. Mit einem regen lnteresse für die Landschaft verband sich das Verständnis für das Wesen und das Leben der ganz anders gearfeten norddeutschen Bevölkerung, besonders des Menschenschlages der Heide, dessen zuvorkommendes Wesen uns besonders auffiel. Dankbar erinnern wir uns der von diesen verschlossenen Menschen erstellten und glänzend eingerichteten Jugendherbergen, die uns das 11 malige UÜbernachten in ihnen jeder-
zeit dankbar empfinden ſiehen.
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