höchsten Ausprägung. Im letztgenannten Bauwerke empſanden die Schüler die hier überwältigend zutage tretende Beherrschung der Materie durch den Willen einer leidenschaftlichen Künstlernetur mit aufrichtiger Begeisterung.
Die Erscheinung der besten deufschen Plasfik des Mittelalters in den Domen von Bamberg und Naumburg ſand hochgestimmte Betrachter. Wir verlebten vor diesen Gestalten Feierstunden in der Gemeinsamkeit des Emplſindens, das nicht mehr getrübt zu werden brauchte durch das erklärende Wort. Hier wie dort kehrten die Schüler immer wieder zu den schönsten Werken zurück, und jedesmal war es der Lehrer, der zum endlichen Aufbruch mahnen muhte. Für ihn bildete es auch eine Uberraschung, dah die dem Auge nicht leicht zugänglichen und entwirrbaren mittelalterlichen Glasmalereien an den Chorfenstern des Erfurter Domes von den Schülern mit eindringlichem Eiſer studiert wurden. Der Ertrag der Wanderung für die Ausbildung des kunst- betrachtenden Sinnes war sicher recht ergiebig. Von den Schülern angefertigte Zeichnungen und Lichtbilder legten davon Zeugnis ab, ebenso die von ihnen gefätigte Verwertung der Anregungen
im späteren Unterricht.
Viellach ergab sich Gelegenheit, zwanglos das Wissen um die Geschichte des deutschen Volkes durch Ausnufzung der Anschauung zu beleben. Verschiedentlich wurde der Versuch gemacht, die Geschichte einer Stadt aus dem sich darbietenden Stadtbild summarisch abzulesen. Auch der wirtschaftlichen Bedeutung eines Gemeinwesens oder einer Landschaft in Vergangenheit und Gegenwart wurde auf Grund der sichtbaren Anzeichen gerne nachgegangen.
Ein nicht ganz dreitägiger Aufenthalt in Weimar und Umgebung(Iiefurt, Belvedere) genügte kaum, um den Schülern einen Begriff von den reichen Kulturschätzen der Stadt zu geben. Sie waren selbst darauf bedacht, nichts zu ver- säumen. Im Goethehaus ſesselten vor allem die Sammlungen des Dichters, und es darf wohl als erfreuliche Frucht des Besuches ver- zeichnet werden, daß Schüler sich spontan 3ußerten, jetzt erst hätten sie einen Begriffvon der Universalität des Genius bekommen.
In Weimar wie auch im Gesamtverlauf der Wanderung wurde darauf gesehen, daß auch die Nafur zu ihrem Rechte kam und durch kurze Ausflüge in die Umgebung der Städte der Sinn frisch und aufnahmeſähig erhalten wurde. Das obere Maintal(Staffelstein), das Saaletal(Saaleck, Rudelsburg) sowie das Imtal zeigten sich in herbstlicher Pracht. Den Ab- schluß der Wanderung bildete ein Marsch Erfurt, Dom und Severikirche, aus dem selbstverfaßten durch den nordwesilichen ſeil des Thüringer
und mit eigenen Zeichnungen geschmückten Bericht des 9 Oberprimaners Hans Schlitt. Waldes von Friedrichroda bis Eisenach.
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