Aufsatz 
Vom Werden, Wirken und Wesen der Musterschule. Festgabe zum einhundertfünfundzwanzigjährigen Jubiläum 1803-1928 / hrsg. von Peter Müller
Entstehung
Einzelbild herunterladen

FAHRIBERCHfE.

Wem Soit will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt. (Eichendorff).

1. N MONCHEN, DER STADT DER MUSEEN, IMN DEN VORALPEN OND IM MIITELALTERLICHEN NURNBERG(1926).

Die Hinreise der aus 23 Schölern unter Führung der Studienräte Dr. Paul Schroeder und Dr. Albin Hofmann bestehenden Doppelgruppe erfolgte am 22. Sepiember 1926 über Stutfgart, die Heimreise am 29. September von Nürnberg aus. So war die beste Gelegenheit geboten, wenigstens

auf der Durchreise einen großen Teil Süddeutschlands kennen zu lernen.

In München wurde Unterkunft im christlichen HospizWartburg, Landwehrstraße bezogen; wir haben uns dort in dem gut eingerichteten Massenquartier recht wohl gefühlt. Vier volle Tage wurden auf München verwandt, im Mittelpunkt stand die Besichtigung des Deufschen Museums. Drei Tage lang haben wir diese unendlich reichhaltige, wundervoll anschauliche Sammlung der Meisterwerke der Naturwissenschaft und Technik durchwandert. Der Eindruck auf die zum grohßen Teil fechnisch sehr interessierten Schüler war gewaltig, aus einzelnen Abteilungen z. B. Maschinenbau, Physik waren sie kaum wieder wegzubringen. Nirgends habe ich das Lernbedürfnis der Schüler lebendiger gesehen als hier in den weiten Sälen des Museums. Zeichenstift und photographische Kamera fraten in Itigkeit, um noch nie Geschaufes ſestzuhalten; Dinge, von denen man bis dahin nur gehört oder gelesen hatte, ohne sie jemals recht zu begreifen, wurden einem hier mit einem Male klar. Sleich von Anſang an bildeten sich Gruppen und Grüppchen, besonders Interessierte wurden von selbst die Führer, ganz von selbst entstanden kleine erläuternde Vor- träge. An sich ist die ganze Sammlung so wunderbar übersichtlich und klar, daß auch der Laie sich leicht zurechtfinden und sie mit wirklichem Sewinn durchwandern kann. Der vierte Tag, ein Sonntag, wurde der Besichtigung der Meisterwerke der alten Pinakothek und der neuen Staats- gelerie gewidmetf. Einige fraten dann auch noch einen Rundgang durch die Ausstellung des Glas- palastes an und erhielten dort wenigstens im großen einen Überblick über die verwirrende Fülle der Kunstrichtungen der Gegenwart. Die Nachmiftage wurden verwandt auf die Besichtigung der Baudenkmäler der Stadt, auf Ausflüge nach Nymphenburg und ins lsartal; einige Stunden auf der Iheresenwiese und der Besuch des Hoſbräuhauses vervollständigten das Bild Münchener Lebens. Etwas Schwierigkeit machten die im Herbst schon langen Abende; die Unterhaltung der Schüler stellte da an die Lehrer allerlei Anforderungen.

Erholung von den anstrengenden Tagen brachte ein Auslflug nach Garmisch. Regenwetter schien zunächst den Plan zu verderben. Dicke Nebel- und Regenwolken hingen in den Bergen, als wir in die Höllentalklamm eintraten, oben auf dem Höllentalanger zerrissen die Wolken, und in wunderbarer Klarheit enthüllte sich den staunenden Blicken die im Neuschnee leuchtende Lug- spite. Der Eindruck auf die Schüler, von denen eine ganze Anzahl noch nie das Hochgebirge mit seinen Wäldern, Almen, Sennhüften, Felswänden und Schneegipfeln gesehen hatte, war

auherordentlich tief. Es hielt schwer, sie wieder zum Abstieg zu bewegen.