— 24.- Fößw welches er zu geben vermag. Selbstverständlich kann und darf die Schule die Erör- erungen über historische Entwicklung, die ich oben kurz egeben habe, nicht direkt zum Gegen- stand ihrer Thätigkeit machen; das würde sich mit dem e ementaren Charakter selbst der höhereii chulen nicht vertragen. Die Schule muß aber jene höhere Auffassung der allgemeinen Ge-
schichte vorbereiten, sie muß den Schüler auf dem Wege gehen lehren, auf dem er zu derselben mit der Reife der Jahre gelangen kann.
Der Hauptfehler des Geschichtsunterrichts im alten Stil war der, daß der geschichtliche Stoff nur vorgetragen, wiedergekäut und dem Gedächtnis eingeprägt wurde. Manche sind auch jetzt noch der Ansicht, daß die Geschichte als Unterrichtsgegenstand nur dafür da fei, um die Schiller im Wiedererzähleii zu üben und die Ereignisse, Namen und Zahleti wie das Ein- maleins iii sein Hirn zu pfropfeii. So konnte nur eine ganz mechanische Thätigkeit getrieben werden. Der geschichtliche Stoff muß aber, um seine bildende Wirkung auszuüben, zum Gegenstand einer Gedankenarbeit gemacht, er muß ebenso gut mit dem Verstand er- faßt werden wie jeder andere wissenschaftliche Stoff auf den höhereii Schulen. Jn welcher Weise dies geschehen muß, diese Frage ist speziell didaktischer und methodischer Art, und ich verweise hierin wieder auf meine eingangs erwähnte Abhandlung. Nur die allgemeinen Ge- sichtspuiikte sollen hier dargelegt werden, wie sie aus dem Obigeti klar hervorgehen. Es kommt darauf an, die Ereignisse, als da sind: Förderungen, Hemmunge11, Reibungen in der Geschichte der Menschheit, nicht lediglich in ihrer zeitlicheii Folge oder ihrer persönlichen Ver- bindung darzustellen, sondern den Schüler ihre logische Aufeinanderfolge, ihren ursächlichen Zusammenhang, ihre Berechtiguiig und Notwendigkeit verstehen oder selbst finden zu lassen. Ter Schüler muß gewöhnt werden, die psychologischen Momente und die Gedanken, die in den einzelnen für die Gesammtheit thätigeii Menschen wirkten, sowie Zweck, Plan und Mittel der menschlichen Arbeit in der Geschichte und den Grund der fortlaufenden Entwicklung zu v erstehen. Ein solches Ziel verlangt selbstredend eine ganz andere Behand- lung des Unterrichtsgegenstandes, als sie ihm noch vor kurzem meist zu Teil gewordeii.
Man wende nicht ein, dies sei zu viel verlangt. Mit den höchsteii historischeit Ve- griffen soll ja die Schule überhaupt noch nicht operieren; sie soll dieselben nur vorbereiten oder allmählich entwickeln. Die Erfahrung zeigt bereits, daß dies mit Erfolg geschehen kann. Haben doch die Herbstfchen Hülfsbücher für den Geschichtsunterricht, die in ihrer ganzen Anlage darauf ausgehen, eine durchaus verstandesgemäße Bearbeitung des historische-n Stoffs zu bewirken, sich einer stets zunehmenden Verbreituiig zu erfreuen! Und meine eigene, nicht angjährige, aber mit Aufmerksamkeit gemachte Erfahrung hat mich überzeugt, daß man in der verstandesgemäfzen Behandlutig der Geschichte in der Schule noch viel weiter gehen könnte, als Herbst es vorschlägt, und dasz mit der Anwendung dieses Verfahrens das Jnteresse der Schüler an dem Gegenstand erstaunlich zunimmt.
· Soll nun ein Stoff verstandesgemäß bearbeitet werdeii, so darf er nicht allzusehr in die Breite, vielmehr in die Tiefe gehen, und muß ein für sich abgeschlossenes kleineres Ganzes sein. Man kann und darf von dem Schüler nicht fordern, daß er sofort die historische Ent- wickluiig der Menschheit im höchsten Sinn verstehe; aber verstehen kann er vernunftgemäsze notwendige Entwicklung kleinerer Gemeinsamkeiten, der Nation und des Staates. Daher be- ginne man auf den Schulen mit einem beschränkteii historischen Stoff; später erweitert sich der Gesichtskreis des Heranwachfenden von selber. Man beschränke, wie Herbst es angebahnt hat, den· gefchichtlichen Unterricht auf das, was dem deutschen Volke zunächst liegt, Geschichte der VXIechetx Und Römer und nationale deutsche Geschichte. Die Geschichte der beiden ersteren . Vlkek Ist selbst auf Realschulen aus dem Grunde unabweisbar, weil sie die Träger der Kultur Im Entska waren, und weil a·uf ihren Errungenschaften sich die moderne, auch deutsche, Kultur mi: aut- Je hoher man inan kommt in den Altersklassen, desto mehr wird man natürlich Im Maß und Ziel die a gemeine Geschichte berücksichtigen müssen.—


