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Es soll mit Vorstehendem nicht gesagt sein, daß der historische Unterricht in Politisieren ausarten muß. Ein vernünftiger Mittelweg ist möglich und auch schon mit Erfolg hetretm— worden.—- Manche scheueii vor dem Begriff der politischen Geschichte aus anderen Gründen, denn sie sehen in ihr als einem Gegensatz zur sogenannten Kiilturgeschichte« (Die Trennung ist in Wirklichkeit unhaltbar) nur die Wirkungen persönlicher Leidenschaften der Herrscher, Aeuszerungen der Ländergier und Mißgunst, nur diplomatischen Trug und leichtfer- tiges Blutvergießen Doch auch diese Erscheinungen sind in ihrer Art lehrreich. Wer aller- dings streng zwischen politischer und Kulturgeschichte zii scheiden versucht, kann leicht zu jener Auffassung gelangen, als ob die Mehrzahl der Ereignisse der politischeii Geschichte nur auf dem bösen Prinzip im Menschen beruhe. Aber sie lassen sich nicht trennen unddiirfen nicht getrennt werden, wenn nicht ganz verkehrte Vorstellungeii die Folge sein sollen. Die politische Geschichte niiiß gleichsan das Gerippe, die Kulturgeschichte das Fleisch bildan erstere.glebt· gewissermaßen die Form, letztere die Farbe für das Gesammtbild ab. Ja schließlich Ist dle polttische Geschichte nur ein Teil der Kulturgeschichte, indem sie uns die wechselnden Formeii der Gemeiiisamkeitexk zeigt, innerhalb deren und durch welchevalle geschichtliche Arbeit vollbracht worden ist.
Aber auch die einzelnen Aeuszeruugen der Kulturgeschichte auf dem Bodeii des Völker- und Staatslebens brauchen aus der schulmäßigen Behandlung der Geschichte nicht«wegzufallen, ohne daß dadurch dein Schüler ein Zuviel aufgebürdet wird, woraus heutzutage bei der immer wieder erhabenen Ueberbürdungsklage auch Vedacht genommen Werdell muß-» Das kulturge- schichtliche Material, sofern es sich nicht auf Verfassung, Kirche, Literatur und Wissenschaft bezieht, steht auch im Bild in so großartiger Fülle, zu Gebot, daß nur eine geschlckte Haild erforder- lich ist, die es ohne Mühe für den Schüler inv anscheinend nur ausschmuckender belebender und doch höchst fruchtbringeuder Weise dem Unterricht eingliedert. xDie Anschauung im Geschichte- unterricht, leider noch wenig beachtet trotz der vorliaildeneii»Yiittel, bietet»eine. ungeheure Hülfe für das gesainnite Fach. Sie erweckt das Interesse, unter-stutzt das Gedachtnis und nährt die Phantasie, indem sie zugleich dieselbe vor falschen Vorstellungen bewahrt,
Wenn der Geschichtsmiterricht sich fixenger Yllrchfuhrung»obiger» allgemeiner Grundsätze im Einzelnen mit Gewissenhaftigkeit befleißigt, so konnen die Fruchte nicht ausbleiben, die un- sere Zeit voll diesem Unterrichtsgegenstand erwarteti muß; Dann wird der Schüler»höhekek Lehranstalten durch seine historische Bildung eiiie allgemeine Bilduiig ·erwerben, die ihm ein Verständnis der Vergangenheit und der Gegenwart in allen Erscheinungen des menschlichen Lebens gewährt, wie es kein anderer Unterrichtsgegenstand zu leisten vermag.—-
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