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welchem Weg erlangte, Fähigkeit mit Bewußtsein und Plati teilzunehmen an den Arbeiten der Gegenwart entsprechend dem jeweiligen Kulturzu- stand, und leitend einzuwirken auf die menschliche Gesellschaft im Jnteresse ihres eigenen Gedeihens.
Unsere höherm Schulen machen es sich zur Aufgabe, die heranwachsenden Geschlechter mit einer solcheti Bildung zu erfüllen, d. h. fie, soweit es durch den Massenuuterricht möglich Ist, derart zu befähigen, daß sie im Stande sind, im späteren Lebeii eine Stellung einzunehmen, in der sie selbstständig zum Wohl der Gesammtbeit thätig sein können, mögen diese Stellungen nun staatlicher oder privater Natur sein. Gymnasien wie Realschulen wirken auf dieses Ziel hin, nnd der Unterschied der sich in ihren besonderen Zieleii und Mitteln zeigt, hat für die allgemeiiie Bildung, von der hier die Rede sein soll, nur nebensächliche Bedeutung Aus diesen Anstalten gehen nach Lage der heutigen Verhältnisse die gebildeten Klassen der Gesell- schaft, d. h. die leitenden Kräfte der menschlicheti Gemeinschaft hervor. Die Schule kann aller- dings nichtsür sich allein diesen Erfolg erzielen; auch das Haus und die weitere Umgebung des heranwachsenden Menschen müssen dazu beitragen, ihmdie erforderliche Bildung zu eigen u machen. Aber die Schule hat keine oder nur sehr geringe Gewalt über diese anderen Ein- üsse, und es kamt sich daher hier nur darum handeln, was die Schule selbst zu thun hat, um ihrerseits diese Bildung herbeizuführen.
Die Einwirkung der höheren Schule in dieser Richtung ist zweifacher Art. Sie will durch die Behandlung gewisser Unterrichtsgegenstände eine reale und zugleich eine formale Bildung bewirken; eine reale, indem sie dem Schüler eine Summe von Wissen, einen geistigen Besitz intellektueller und sittlicher Art beibringt, eine formale, indem sie die geistigen Kräfte des Schü- lers unablässig an dem gebotenen Lehrgegenstand in der Weise übt, daß jeder in den Stand gesetzt wird, dieselben seinen Zwecken entsprecheiid mit Bewußtsein» zu gebrauchen.
Der Wert der einzelnen Bildungselemente oder Unterrichtsgegenstände wird sich also da- nach bemessen, in welchem Maße sich dadurch diese beiden Ziele verwirklichen lassen: die reale und die formale Bildung; Ueber diese Dinge haben verschiedene Zeiteit verschiedeiie Ansichten « zu Tage gefördert. Die Lehrpläiie zeigen, daß man bald diese bald jene Unterrichtsfächer für besonders wichtig erachtete, daß manche Gegenstände, die heutzutage mit Nachdruck auf den Schuleir betriebeiiwerde11, früher im Argen lagen, und andere an Bedeutung und Ansehen verloren haben. Zu denjenigen Fächem, die erst seit kurzer Zeit sich größerer Beachtung er- freuen, gehört die Geschichte; wiewohl gerade diesem Gegenstand eiii hoher Wert für den Erwerb der allgemeinen Bildung inne wohnt. Unter allen einzelnen geistigen Errungenschaften, die durch die Schule gefördert werden, gebührt der historischen Bildung oder, wie ich eben sagte, der Geschicht-skenntnis ein hervorragender Platz. Jch verstehe hier unter Ge- schichtskenntnis nicht das Wissen einer Summe von einzelnen historischen Thatsachen, so ausge- breitet es auch sein mag; denn eine solche Geschichtskenntnis hat auch der Gedächtnißkünstler, der einer wandelnden Tabelle gleich aus feinem Vorrat von Namen, Zahlen und Ereignissen vorkommenden Falles Ueberraschendes aufzutischen weiß. Jch denke mir eine Geschichtskenntnis im höheren Sinne, die, richtig erworben, ein Inbegriff alles dessen sein kann, was die allge- meine Bildung bezweckt und vermag.
Von einer solchen historischen Bildung, von deren Wesen weiter unten die Rede sein wird, Fabeii frühere Generationen geringe oder gar keine Vorstellung gehabt. Warum? ist leicht zu
nden. Erst von da an, als eine Wissenschaft der Geschichte vorhanden war, konnte man auch daran-denken, dieselbe in ihrer Eigenart für Schule und Lebeti nutzbar zu machen. Jn Deutschland ist die Geschichte als Wissenschaft begründet worden durch Gelehrte erst dieses Jahrhunderts, Niebuhr und Ranke, die iti ihren großartigen Werken die ersten Vorbilder Finer·klass1schen Geschichtsforfchung und Geschichtsschreibung gegeben haben, während Droys en M fernem einzig dastehendeti ,,Grundriß der Historik«« das Weseti der geschichtlicheti Wissenschaft dargestellt hat« Eine große Reihe glänzender Namen weist seitdem die deutsche Geschicht-Z-


