Geschichlsiienntnis nnd allgemeine Bildung. Zion Dr. Friedrich gloacä.
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Die vorliegende Abhandlung richtet sich an einen größeren Leserkreis als den fachmänni- schen und beschränkt sich daher darauf, den außerordentlich umfassenden und ergiebigen Stoff nur in so weit zu behandeln, als er auch demjenigen, der nicht Schulmann oder Geschichts- forscher ist- verständlich sein kann. Ich halte mich deshalb, sofern es nur irgend statthaft er- scheint, mit Bewußtseiii von allen rein wissenschaftlichen, insbesondere methodischen,Erörterungen fern und suche nur die Gedanken, die von einzelnen Fachmännern längst als richtig erkannt worden sind, im Zusammenhang klarzustellen, mit dem Wunsche, daß sie zu allgemeinerem Be- wußtseiii und somit in Zukunft auch zu nachdriicklicher Verwirklichuiig gelangen mögen. Es soll daher das Verhältiiis der geschichtlichen Kenntnis zur allgemeinen Bildung dargestellt und daraus weiter gefunden werden, wie diese Geschichtskenntnis beschaffen sein muß, um ihre Stelle innerhalb des Rahmens der allgemeinen Bildung auszufüllen; alsdann werde ich nur in den gröbsten Zügen, ohne alles pädagogische Detail, den Weg zu zeigen versuchen, auf dem eine solche Geschichtskenntnis erreicht werden kann.(Jch verweise zugleich auf meine Abhandlung »Der Geschichtsunterricht auf Gymnasieii nach neueren Grundsätzen-( die in der»Zektschrift für das Gymnasialwesen« spätestens bis Mai erscheinen wird, wo ich die methodifche Durchführung der hier dargelegten Ansichten erörtert habe.),»
Wenn von dem Verhältnis der geschichtlichen zur allgemeinen Bildung gesprochen werden soll, drängt sich vor allem die Frage auf: Was ist allgemeine Bild ung oder Bjildung überhaupt? Wenige geläufige Begriffe unterliegen so vieleii Mißverständnissen, Piißdeutungen und Mißbräucheii wie die Worte Bildung, gebildet u. s. w. Dem Einen SJU der, Wohlhabende, der mit äußerem Lebensbehagen gewandte Umgangsforinen verbindet, fUr geblldetz ein Aiiderer macht die Bezeichnung gebildet abhängig von dem Besitz einer bestimmteii Schulbildung, so daß jeder ein Gebildeter wäre, der eine gewisse Lehranstalt durchlaufen und deren Zeiignisse aufzuweisen hat; von Anderen wieder hört man mit Bezug auf dies oder Jenes literarische Erzeugiiis sagen:»Das mufz jeder Gebildete kennen,« als ob die Bildung durch»Lectüre einer vorgeschriebenen Anzahl hervorragender Dichterwerke erworben werde. So mannigfach die Lebensstellungen und Lebensanschauungen, so verschieden sind auch die Auslegungeii des Begriffes Bildung. ·
Jch kann mir den Begriff der Vilduiig nur durch ihren Zweck ausreichend erklärt denken, indem ich dabei frage, was im praktischen Lebeii durch die Bildung erreicht werden soll. Da- bei fällt zunächst ganz außer Betracht, durch welche Mittel dieselbe erworben wird. Jch fasse da- her den Begriff Bildung iii Folgendem zufammcii: Bildung ist die, einerlei auf
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