Aufsatz 
Über den Elementar-Unterricht in der lateinischen Sprache / Wilhelm Münscher
Entstehung
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durch die trockne allzu mechanische und geschmacklose, wenn gleich scheinbar gründ- liche Behandlung die Jugend marterte. Nur die Jesuiten brachten bei der diesem Orden eigenen Gewandtheit und dem freilich über eine gewisse Grenze nicht hinausgehenden Streben nach Neuheit mehr Regsamkeit in diesen Unterricht, wem gleich sie meistens allzu arge Sünden gegen die Reinheit der lateinischen Sprache sich erlaubten, und von einem starren Mechanismus beim Mangel aller höheren und edleren Principien nicht loskamen. Der elende im Unterricht des Lateinischen herrschende Mechanismus und der für die Natur des jugendlichen Geistes gar nicht angemessene Zuschnitt des Sprachunterrichts war es, welcher die Schulverbesserer, im 16ten Jahrhundert einen Johann Sturm zu Strasburg, im I7ten Jahrhundert den Holsteiner Wolfgang Ratich und den Mähren Amos Comenius, welche beide an verschiedenen Orten, für ihr Ziel, neue Belebung der Unterrichtsmethode, lebten und wirkten, im 18ten Jahrhundert den Stifter der philantropinistischen Schule Bernhard Basedow aus Hamburg mit seinen Genossen Christian Heinrich Wolke aus Jena und Ernst Christian Trapp antrieb, der bisherigen Unterrichtsweise den Krieg anzukündigen und auf eine ganz neue Behand- lung des lateinischen Elementar-Unterrichts zu dringen. Allein alle haben doch, etwa mit Ausnahme des Comenius, ihr System nicht genug entwickelt, und sie mischten soviel Künsteleien und Verkehrtheiten ein, gaben zugleich selbst hinsichtlich ihrer Sprach- Kemntniß so mannigfaltige Blößen, daß sie sich weder als Lehrer eines günstigen Er- folgs erfreuten, noch mit ihren Verbesserungsvorschlägen mehr als nur vorübergehenden und auf Einzelne beschränkten Eingang fanden. Jedoch blieben ihre Angriffe auf die bestehenden Schuleinrichtungen, wenn man gleich nirgends in den Gelehrtenschulen an ihre Vorschläge sich ganz anschloß, doch nicht ohne Wirkung. Man strebte vielmehr, wenm man auch den alten Zuschnitt des Unterrichts im Allgemeinen beibehielt, doch im Einzelnen vielfältig nach einer zweckmäßigern und naturgemäßern Gestaltung und Behand. lung desselben. Hatte ja doch Johann Matthias Gesner, ein ausgezeichneter Schulmann des 18ten Jahrhunderts, der seit 1715 an verschiedenen Orten wirkte und zuletzt als Professor in Göttingen 1761 starb, schon bestimmt genug die gewöhnliche mechanische Lehrmethode verurtheilt und eine bessere auf Uebu ug beruhende empfohlen, und noch entschiedener arbeiteten hernach Andere, besonders Friedrich Gedike zu Berlin dem bisherigen drücken- den Mechanismus entgegen, nur daß auch dieser wie Viele, die ihm folgten, von Seichtig- keit und Oberflächlichkeit sich nicht fern hielt und mehr sachlichen Stoff in den Sprach- unterricht eingemischt wissen wollte, als daß ein tüchtiger, nur durch Einheit und Folge-