Aufsatz 
Deduction der Kreisfunktionen
Entstehung
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freudigeren Aufſchwung gewinnen, und durch die das ganze Jahr hindurch fortgeſetzten Uebungen in außerordentlichen Stunden und den zeitweiligen Produktionen den Abgang manches anderen Bildungsmittels erſetzen. Könnten nur auch Muſſkvereine damit verbunden werden! Doch bleibt dies hier, bei der getroffenen Einrichtung, ein vielberegter frommer Wunſch, und muß die Bildung fur Muſtk, dieſes ſo mächtige Agens für Geſchmackbildung, dem zufälligen Privatunterrichte über⸗ wieſen bleiben, ohne daß das Gymnaſium ſelbſt ſich näher daran betheiligen kann.

Gleiches iſt der Fall mit dem Zeichnenunterrichte, dem gerade da, wo er ſeine bildende Kraft erſt beweiſen kann, in den mittleren und oberen Klaſſen, keine andere Gelegenheit geboten iſt, als der Privatunterricht gegen beſonderes Honorar.

Für Anſtand und Geſchmack bilden endlich noch die körperlichen Uebungen, als Turnen, Reiten, Tanzen, für die von Seiten des Staates Vieles geſchehen iſt, was wir dankbar anerkennen müſſen. So hatten wir im verwichenen Winter einen eigenen Curſus im Winterturnen, zur Bil⸗ dung von Vorturnern, durch den betreffenden Lehrer von Weilburg; auch wurde im Sommer ein vollſtändiger Curſus im Reiten ertheilt durch den Gymnaſial⸗Reitlehrer Stroh von Weilburg. Der Tanzunterricht, ſo wie das Baden und Schwimmen, war Privatſache, fand aber ebenfalls im verwichenen Jahre am Gymnaſium Statt. Manche Mißlichkeiten, die ſich namentlich bei Letzterem herausſtellten, machen die höhere Betheiligung des Staates, die vordem Statt hatte, wieder höͤchſt wünſchenswerth..

D. Disciplin.

Die Disciplin, ſo weit ſie das äußere Leben und Verhalten der Gymnaſialſchüler betrifft, wurde mit möglichſter Sorgfalt überwacht, was die örtlichen Verhältniſſe einer kleineren Stadt, wo die gegenſeitigen Berührungen unter den verſchiedenen Klaſſen der Bewohner näher und häufiger ſind, vielfach unterſtützten. Konnten wir indeſſen nicht allen Ausartungen der Jugend begegnen, ſo liegt dieſes in der natürlichen Mangelhaftigkeit ſolcher Maßregeln, die ein Zuſammenwirken von Schule und Haus, von Lehrern, Eltern und Pflegern unterſtellen, das bei den verſchiedenartigen Intereſſen, die hier wirken, mehr oder minder im Gebiete der frommen Wunſche bleiben wird. Und doch hängt das Gedeihen und die Blüthe einer Bildungsanſtalt zumeiſt von dem einträchtigen Zu⸗ ſammenwirken aller, Elemente zur Heranziehung eines arbeitsfreudigen, nüchternen, ſittlichreinen Geiſtes der Jugend ab. Wo dieſes fehlt, wo das Eltern⸗ und Pflegehaus, ohne Berückſichtigung ſeiner heiligſten, durch Natur und Geſetz gebotenen Verpflichtung nicht mit der Schule wirkt, wo dieſe im Gegentheil vielfach ein Hemmniß ihrer ernſteren Wirkſamkeit darin findet, da muß der Verfall einer Schule hereinbrechen, was auch der gewiſſenhafte Lehrer zu ihrer Aufrechterhaltung aufbietet, und zu ſpät wird man erkennen, daß Schule, Haus und Ort nur ein und dasſelbe Intereſſe haben und ſich gegenſeitig und kräftig unterſtützen müſſen, wenn ein ſo belangreiches Inſtitut, wie das Gym⸗ naſium, erblühen, und die daran geknüpften Hoffnungen jeder Art erfüllen ſoll. Näheres über dieſes Zuſammenwirken aller Theile enthält die Einleitung zum vorjährigen Programme von Hadamar.

Innere Mittel zur Erziehung dieſes ſittlichen Geiſtes der Jugend, der den Erfolg der Schule und den Segen des ſpäteren Lebens gleichmäßig verbürgt, ſind eine ernſte Disciplin innerhalb der Anſtalt, und vor Allem wahre und innige Religioſität. Was dieſe fördert in Kirche und Schule, föͤrdert den höchſten Lebenszweck und die ſicherſte Grundlage aller Jugend⸗ und Menſchen⸗

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