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schaffen, den man zu Ehren des grossen Genius, der lange Zeit die italienische Kunst be- herrscht und viele seiner unsterblichen Meisterwerke hier in Florenz geschaffen hat, die Piazzale Michel Angelo genannt hat. Mitten darauf erbebt sich die Bronzecopie des Da- vid von Michel Angelo, deren Original in der Galleria antica in Florenz aufbewahrt wird, höchst charakteristisch für die herbe und stolze Kunst des Meisters, ein Kolossalbild, schon in seinem 27. Lebensjahr geschaffen. Den Sockel aber zieren die bekannten Bronzestatuen aus der Mediceerkapelle, jene ergreifenden Gestalten: Abend- und Morgendämmerung, Tag und Nacht, die demselben schöpferischen Genie entstammen und in der neueren Kunst- geschichte einen hervorragenden Platz einnehmen.
Und welch ein Anblick öffnete sich unserm Auge, als es ringsum in die Ferne schweifte! Solch ein Thal möchte in der ganzen Welt seinesgleichen suchen! Es ist ein nach den Seiten sanft ansteigendes Becken, mehrere Meilen breit, von dem lieblichen Arno durchströmt, von schönen Bergrücken eingefasst, die oben mit dunkeln Kastanien- wäldern, unten mit graugrünen Olivenhainen bepflanzt sind. Die Felder, sorgfältig bebaut, sind von Weinstöcken umschlossen, die an Pappeln und Ahornbäumen emporranken und deren Reben guirlandenartig miteinander verbunden sind. Im Kranze dieser anmutigen Natur liegt sie da, Florenz, die blühende Stadt, und so weit das Auge reicht, ist das ganze Thal mit leuchtenden Ortschaften: Vorstädten, Dörfern, Villen, Gartenhäusern, übersäet. In der Ferne aber ist dieser ewige Frühling fast auf allen Seiten von den Kuppen des jetzt noch winterlich beschneiten Apennin eingefasst, die in immer wechselnden Linien immer neue anziehende Gruppen bilden.
Ein so unvergleichliches Landschaftsbild dem Auge möglichst lange und in mög- lichstem Wechsel zu bieten, hat nun die Stadtverwaltung von Florenz über die Hügel, die den Südwesten der Stadt umgürten, eine achtzehn Meter breite Strasse ziehen lassen, den Viale dei colli, die von vielen für die schönste Promenade Italiens gehalten wird. Ganz dem Zuge der Hügel folgend, jetzt der Stadt und dem Arno sich nähernd und in das Thal vorspringend, jetzt wieder hinter ein prangendes Seitenthälchen sich zurückziehend, schlängelt sich dieser Spazierweg in einer Länge von 1 ½ Stunden bis zur Porta Romana hin. Von wohlbeschnittenen Hecken umgeben, von immergrünen Bäumen überschattet, und von den köstlichsten Gartenanlagen eingefasst, gewährt er dem Auge immer neue ent- zückende Aussichten auf Stadt, Thal und Gebirge. Das war eine lohnende Wanderung, mit der wir den denkwürdigen Tag von Florenz abschliessen konnten. In der Nähe der Porta Romana führte uns der Weg in Serpentinen durch die schönsten Blumen- und Park- anlagen hinab, allenthalben uns Gelegenheit bietend, die grosse Sorgfalt und Geschicklich-
keit der Italiener im Gartenbau zu bewundern.
Mit dem nächsten Morgen war der Tag angebrochen, an dem ich die Rückreise antreten wollte, und nur wenige Stunden hatte ich für Florenz noch zur Verfügung, wäh- rend mein Gefährte noch einige Tage länger zu verweilen beabsichtigte. Noch einmal lenkten wir unsere Schritte dem Dome zu, um zunächst das gegenüberliegende Baptisterium mit seinen in Erz gegossenen„Pforten des Paradieses“— wo sich uns ein drittes, eben aus Rom gekommenes Mitglied unserer Reisegesellschaft zugesellte— zu besichtigen und dann die 91 Meter hohe Kuppel des Domes zu besteigen. Bald standen wir oben in schwindelnder Höhe, um noch einmal diesen gesegneten Fleck Erde, ein Stück echt italie- nischen Landes, im Rundblick zu überschauen. Giebt es doch in der gesamten Geschichte
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