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die Betrachtung des gegenüberliegenden Baptisteriums behielten wir uns für eine spätere Zeit vor— trieb es uns alsbald nach den heitern Kunsthallen der Skulptur und Gemälde- gallerie der Uffizien, die ihre Berühmtheit in erster Linie dem hochsinnigen Geschlecht der Mediceer verdanken, das bekanntlich vom 14. bis zum 18. Jahrhundert die Geschicke der Stadt geleitet hat. Der Weg nach den Uffizien führt über die Piazza della Signoria, das berühmte Forum der Republik, das in seiner äusseren Umrahmung wie kaum ein an- derer Platz in Italien noch das Gepräge jener grossen Zeit bewahrt hat. Zunächst wird das Auge gebannt von dem stolzen Bau des burgartigen Palazzo Vecchio, dessen hochra- gender Turm mit seiner höchst charakteristischen Zinnenkrone neben der Domkuppel für den Fremden das Hauptwahrzeichen zur Orientierung bildet. Links davon fesselt das Auge der alte Neptunsbrunnen mit den mannigfachsten mythologischen Figuren und das Reiter- standbild des Grossherzogs Cosimo I. aus dem 16. Jahrhundert. Die herrlichste Zierde des Platzes aber ist die aus dem 14. Jahrhundert stammende Loggia dei Lanzi, die zum Vorbilde aller Festhallen geworden ist. Einst der Repräsentationssaal der Signoria bei öf- fentlichen Versammlungen,(sie trägt ihren Namen von den deutschen Landsknechten, die zur Zeit Karls V. hier Wache standen,) ist sie später von den Mediceern in eine Art Mu- seum umgewandelt, wo, auf dem ganzen Platz sichtbar und jedermann ohne weiteres zu- gänglich, hochberühmte Skulpturen das Auge entzücken: Perseus von Benvenuto-Cellini, Ajax mit der Leiche des Achill, eine altrömische Copie eines griechischen Originals aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., ein wundervolles Bild antiker Heldenfreundschaft; ferner die bekannte Germania devicta, gewöhnlich Thusnelda genannt, jedenfalls eine trauernde Ger- manin, aus der Zeit Trajans, und manche andre. So bildet die Loggia dei Lanzi gegen- wärtig einen heiteren Kunsttempel, von dem man zugleich das Leben und Treiben auf dem vielbesuchten Platz überschauen kann. Wenn diese Bogen, diese Pfeiler reden könnten, von wieviel frohen und ernsten Vorgängen würden sie uns erzählen! Auf diesem Platze hat sich ein grosser Teil der Verfassungskümpfe zwischen Adels- und Volkspartei im Mit- telalter abgespielt; hier haben die Mediceer ihre Triumphe gefeiert; hier ist auch ein Vor- läufer der Reformation, der Dominikaner Savonarola, nachdem er in Florenz eine Art Gottesstaat errichtet und Vornehm und Gering für ein lebendiges Christentum zu begeis- tern gewusst hatte, im Jahre 1498 von der wankelmütigen Menge hingerichtet, seine Leiche verbrannt worden.
Die Loggia dei Lanzi dient mit ihrem herrlichen Bildwerk gleichsam zur Vorbe- reitung auf die erwähnte hochberühmte Statuen- und Gemäldegallerie, die uns in einer Seitenstrasse gleich rechts vom Palazzo vecchio nach dem Arno hin in die Augen füällt: es ist der in vortrefflicher Renaissance aufgeführte Palast der Uffizien, der sich bis an den Fluss hinzieht, und mit dem ebenfalls in aller Welt bekannten Renaissancebau des herr- lichen Palazzo Pitti auf dem andern Flussufer durch einen 12 Minuten langen Korridor über den Ponte vecchio hin verbunden ist. Die beiden Paläste sind für die Kunst und ihre Geschichte von unermesslichem Wert, da sich hier eine Fülle der schönsten und an- ziebendsten Denkmäler der Skulptur sowohl wie der Malerei vereinigt findet. Es war für uns bei der Kürze der Zeit, die uns zur Verfügung stand, nicht leicht, eine UÜbersicht über das Ganze zu gewinnen und doch zugleich wenigstens das Hervorragende eingehen- der zu betrachten. Den Vormittag verwandten wir auf die Gemälde und Skulpturen der Uffizien, um dann die am Nachmittag übrig bleibende Zeit noch den Gemälden des Pa-


