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zuzubringen, um, wenn auch nur auf kurze Zeit, von dort Florenz zu besuchen und zu- gleich zu erfabren, wie sichs auf eigne Hand in ltalien reist. Von der Fahrt dorthin habe ich nur wenige Einzelheiten zu berichten. Als wir nördlich von Neapel nach dem Vesuv blickten, war die uns zugewandte Seite des Kraters von Schwefel gänzlich weiss gefärbt, als wenn frisch gefallener Schnee darauf läge. Die Campagna nördlich von Rom, die wir auf der Hinreise zur Abendzeit durchfahren hatten, sah ich jetzt im hellen Sonnenscheine liegen und konnte so die Reste der antiken Kultur: Ruinen von Wasserleitungen, Strassen und anderen baulichen Anlagen in der weiten grünen Ebene, die nur wenige dürftige An- siedelungen aufzuweisen hat, deutlich erkennen. In Pisa, das einst mit Genua und Flo- renz wetteiferte, nun aber einen gar stillen Eindruck macht, wurde der schiefe Turm— der oberste Punkt seiner Achse hängt gegen den untersten etwa 4 ½ Meter nach Süden über— und der Dom, ein höchst bedeutsamer romanischer Monumentalbau, soweit es die Zeit erlaubte, besichtigt, dann durch das herrliche Arnothal gegen Abend die Fahrt nach Florenz fortgesetzt. Auch hier traf der Zug mit erbeblicher Verspätung ein, da der Fremdenzuzug von Norden wie von Süden her ein starker war. Das grösste Kon- tingent unter den Fremden stellen bekanntlich die Deutschen, sodass die„bella Firenze“ von den Italienern scherzweise eine deutsche Stadt genannt wird. Auch mir schien das Leben dort den rein italienischen Charakter, nicht zu seinem Nachteil, etwas geändert und ein wenig vom deutschen angenommen zu haben. Herrschte doch in den Strassen grössere Sauberkeit und Ordnung, und bei aller Lebhaftigkeit des Verkehrs, doch eine gewisse wohlthuende Ruhe im Vergleich mit den südlichen Städten, namentlich Neapel. So wehte es mich, als ich nach dem Abendessen einige Hauptstrassen durchwanderte, wie ein erster Hauch der deutschen Heimat an. Den Mittelpunkt des städtischen Lebens am Abend bildet im Sommer die neue grossartige Piazza Vittorio Emanuele mit dem ehernen Standbild des ersten Königs von Italien. Während hier in der warmen Jahreszeit Militärkapellen bis tief in die Nacht hinein im Freien konzertieren, scheint in den übrigen die Florentiner Ge- sellschaft zum Konzert in dem grossen Café centrale zusammenzuströmen, wo mir ein sehr belebtes Bild grossstädtischen Lebens entgegentrat. Als ich am andern Morgen— es war Sonntag und der letzte volle Tag, der mir zur Verfügung stand—, eben überlegte, wie ich die kurze Zeit in der herrlichen Stadt am besten ausnutzen könnte, fand ich beim Morgenessen zu meiner Freude einen Herrn unserer Reisegesellschaft wieder, der während der Nacht von Neapel gekommen und mir schon in Rom ein werter Genosse gewesen war. Wir hatten uns bald über einen Plan geeinigt, und das erste Ziel unserer gemein- schaftlichen Kunstwanderung war der Dom mit dem Campanile.
Wenn auch der Dom an Grösse dem Mailänder nicht gleichkommt, so ist der Ein- druck doch überwältigend genug. Inwendig und auswendig mit weissem und schwarzem Marmor bekleidet, mit glänzenden Skulpturen geschmückt, überragt er mit seiner hohen Kuppel wie ein Wunderbau das Häusermeer der Stadt, wührend das in den kühnsten Ver- hältnissen angelegte Innere mit den kolossalen Kreuzgewölben in seiner schlichten Einfach- heit einen um so ruhigern Eindruck macht. Der quadratisch aufsteigende Glockenturm, der sich wenige Schritte von der Hauptfaçade erhebt, ist ebenfalls in mehrfarbigen Marmor gekleidet und gilt wegen seiner herrlichen Farbenwirkung, der trefflichen Reliefs und an- dern Bildwerks für das schönste derartige Bauwerk ltaliens.
Nachdem wir mit diesem ernst erhabenen Eindruck unsern Rundgang begonnen—


