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gefunden; im Mittelalter aber war Pompeji verschollen, bis man im Jahre 1784 die Stadt von neuem entdeckte. Eine planmässige Ausgrabung aber begann erst im Jahre 1860 unter der intelligenten Leitung des Archäologen Fiorelli. Gegenwärtig ist der weitaus wichtigste Teil freigelegt, im Gegensatz zu den noch sehr rückständigen Arbeiten in Her- culaneum, die durch eine starke Lavaschicht ausserordentlich erschwert werden.
Was Pompeji so anziehend macht, ist nicht sowohl die Menge wertvoller Einzel- funde, als vielmehr der Umstand, dass man hier ein zusammenhängendes Stück antiker Kultur, besonders des häuslichen Jebens, aus einer wichtigen Zeit vor sich hat, so frisch und unmittelbar, dass es einem zuweilen diinkt, als wäre die Stadt gestern noch bewohnt gewesen. Auf den Strassen, die übrigens teilweise nur 4 Meter breit und mit grossen La- vasteinen gepflastert sind, sieht man noch deutlich die Wagenspuren; an uralten Brunnen die Stellen, wo die Hand der Trinkenden ruhte, während sie das Haupt zu dem hervor- quellenden Wasserstrahl herabneigten; auf den Altären hat man noch Opferfleisch, in vie- len Häusern alle möglichen Speisen: Brote(in runder Form), Scheibenhonig, Früchte u. s. w., leicht erkennbar, gefunden, die nun im Museum gleich am Eingang, zum Teil auch in Neapel, aufbewahrt sind. Aus allen Gebieten des öffentlichen wie des Privatlebens fin- det man hier die zahlreichsten Denkmäler.
Wir wurden von dem trefflichen Fübrer, der uns dort zur Verfügung stand, in das Museum geführt, wo uns namentlich die in Gyps nachgebildeten Gestalten einiger aufge- fundenen Leichen interessierten,— es sollen von den 30,000 Einwohnern etwa 2000 umge- kommen sein— dann nach dem grossen Forum mit dem Jupitertempel, und weiter nach den beiden in den Felsen eingehauenen Theatern. Diese letzteren liegen dicht neben ein- ander, das grössere für Tragödien und etwa 5000 Personen, das kleinere für Lustspiele und etwa 1500 Personen, und man kann sich kaum etwas Netteres und Geschmackvolleres denken. Dicht daneben die Gladiatorenschule und das Forum triangulare, in dessen Säu- lenhallen sich die Theaterbesucher in den Pausen ergehen konnten. Das grosse Amphi- theater im Südosten der Stadt, das wir nicht besucht haben, soll etwa 20,000 Zuschauer gefasst haben. Ferner wurde der Isistempel, sodann Bäder und gewerbliche Einrichtungen, Kaufläden, Bäckereien u. s. w. besichtigt, und endlich eines der besterhaltenen Häuser, das der Vettier, genauer betrachtet. Ganz besondèrs gefiel uns das Peristyl mit den treff- lichen Wandgemälden in den Seitenräumen und den freundlichen Blumenanlagen nach antikem Muster. Dass die Bauart der antiken Häuser je nach den örtlichen und anderen Verbältnissen verschieden war, das kann man in Pompeji an vielen Beispielen klar erken- nen. Nur die Reicheren hatten ausgedehnte Häuser mit Atrium und Peristyl; das Peri- styl liegt nicht immer in gerader Linie hinter dem Atrium; bei manchen fehlt es ganz.
An den vielen Treppen erkennt man noch, dass die Häuser durchgängig ein zwei- tes und zum Teil ein drittes Stockwerk hatten; diese sind aber, weil sie aus der Verschüt- tungsmasse hervorragten, im Laufe der Zeit zerstört worden.
Nachdem wir zum Schluss von einem Hügel aus einen Überblick über die sämt- lichen Ausgrabungen und die Umgebung der Stadt gewonnen hatten, kehrten wir in das Hotel de Suisse zurück und— zur Heimat ging es wieder!—
Ein Teil unserer Karawane— bis Rom gehörte auch ich dazu— fuhr ohne Fahrt- unterbrechung nach Deutschland zurück; ich selbst zog es vor, die nächste Nacht in Rom


