Aufsatz 
Eine Italienfahrt im Frühling / von Müller
Entstehung
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an: Zeitungs-, Streichhölzer, Eis- und Wasserbändler, Stiefelputzer, Musikanten mit Leier- kasten, Flöten, Dudelsäcken alles lärmt und lacht und handelt durcheinander, mit ausgeprägtestem Geberden- und Mienenspiel und völliger Hingabe, wie die Kinder.

Zur Abwechslung erschienen dann wohl Herden Kühe oder Ziegen, von denen die ersteren auf der Strasse gemolken werden, während die letzteren zu demselben Zwecke bis in die obersten Stockwerke mancher Häuser hinaufsteigen. So bietet sich auf Sechritt und Tritt ein neues Bild eine wahre Fundgrube für den Künstler. Allmählich freilich muss ein solches Treiben an Reiz verlieren, da bei genauerer Beobachtung das grosse ma- terielle wie sittliche Elend der Massen nicht verborgen bleiben kann. Bald brachte uns unsere Morgenfahrt auf lichtere Pfade, da sie mit dem Besuche des National- Museums ab- schloss.

Neben den bekannten Skulpturen, dem farnesischen Herkules, dem farnesischen Stier u. s. w., zogen uns hier besonders die ausgezeichneten und zahlreichen Bronzen an, die grossenteils aus Herculaneum und Pompeji stammen und nirgends ihresgleichen haben. Ein ganz besonderer Schmuck des Museums sind die schönsten Funde von Pompeji, die man wegen der verderblichen Einflüsse der Witterung hierher gebracht hat, namentlich zahlreiche Wandmalereien, die zum Teil ausserordentlich zart und fein sind, und beweisen, wie vollständig auch das Handwerk im Altertum von künstlerischem Geiste durchdrungen war. Sehr willkommen war uns ein grosses, von Thon gefertigtes Modell von Pompeji im Massstab von 1: 100, das fast einen ganzen Saal einnimmt und zur Orientirung vor- treffliche Dienste leistet, da alles: Strassen, Tempel, Häuser u. s. w. getreu nachgebil- det ist.

Am Nachmittag folgte die Fortsetzung der Rundfahrt, die uns aus der Stadt hinaus gen Westen, zunächst nach dem Aquarium führte, das an Reichtum und Schönheit der Seetiere, wie sie das südliche Meer vor dem nördlichen voraus hat, von keinem andern in der Welt übertroffen wird. Eine solche Farbenpracht und Mannigfaltigkeit der Formen muss man sehen, schildern lässt sie sich nicht. Durch schöne Anlagen stieg dann der Weg empor nach dem Vorgebirge Posilippo, das den westlichen Teil des Golfs in zwei Buchten, die von Pozzuoli und von Neapel, scheidet. Von seiner Höhe herab genossen wir zum ersten Male den Blick auf den gesamten Golf, den man bekanntlich zu den schönsten Gegenden der Erde zühlt. Nach Süden gerichtet, hatten wir zu unserer Rechten ganz nahe die berrliche Landschaft von dem alten Bajae und Puteoli und in einer Linie die reizende kleine Insel Nisida, Cap Misenum, Procida und Ischia, alles Ortlichkeiten, die reich von der Natur gesegnet und durch geschichtliche Erinnerungen geweiht sind, ge- rade im Süden vor uns das herrliche Eiland Capri. Weiter links streckt sich weithin das Vorgebirge, das den Golf nach Südosten begrenzt, mit schöngeschwungenen Berglinien und übersäet mit leuchtenden Ortschaften, darunter das malerische Sorrent, noch weiter links die südöstliche Ecke des Golfs mit Castellamare über dem verschütteten Stabiae, dahinter der lactarische Berg, wo einst die Ostgothen im Verzweiflungskampf unterlagen, dann bis nach Neapel eine ununterbrochene Kette von Städten und Vorstädten, wie die Hauptstadt selbst teils am flachen Ufer liegend, teils die Höhen hinansteigend, und zwischen all dieser Herrlichkeit der dunkelblaue Golf, von Schiffen belebt, hoch überragt von dem rauchenden Vulkan, der das Auge immer von neuem anazieht: ja nicht mit Unrecht haben die Griechen den Fleck Erde, auf dem wir standen, Pausilypon,Schmerazstiller genannt, und unwill-

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