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heit trennen lässt. Gleich in der ersten Zeit unternahm unsre Gesellschaft eine grosse Wagenfahrt durch die Stadt, die an den wichtigsten Punkten vorüberführte. Nachdem wir in dem Wunderbau des Pantheon am Grabe Rafaels und Victor Emanuels geweilt und dann den Corso betrachtet hatten, wo Menschen aus allen Teilen der Erde sich drängen, fuhren wir über den Tiber, den gelblichen Strom, der im Altertum das bunte Bild des belebtesten Hafens bot, jetat aber gar einsam seine trägen Fluten zwischen den aus Qua- dern festgefügten Ufern dahinwälzt, dann nach dem Janiculus auf dem jenseitigen Ufer, siidlich vom Vatikan. Dies ist der höchste unter den Bergen Roms mit 84 Metern, wäh- rend die andern nur 40— 60 Meter messen, und so bietet er einen Rundblick über die unvergleichliche Stadt, der unübertrefflich ist. Links die Peterskirche und rechts im Norden der merkwürdig gezackte Soracte, durch Horaz bekannt, jetzt bereits vom Schnee befreit; in der Stadt selbst alle wichtigen Punkte deutlich sichtbar: der Quirinal mit dem leuchtenden Königsschloss, Coliseo und Capitol, Palatin und Aventin und zwischen beiden offen daliegend die Thalsenkung, von wo einst im Circus Maximus beim Wagenrennen der Beifallssturm des römischen Volkes bis hierher erscholl; im Südosten ausserhalb der Stadt das liebliche Albanergebirge mit dem Monte Cavo, wo die feriae Latinae gefeiert wurden, Frescati, in dessen Nähe Ciceros Tusculum oben am Berge lag, Marino, Castel Gandolfo, die den herrlichen Albanerwein erzeugen; und über den rechten Abhang wie ein schim- merndes Band sich legend, die Via Appia, die Königin der Strassen, noch heute wohl er- halten, endlich, den Hintergrund in grossem Bogen abschliessend, das Sabinergebirge, hell- beleuchtet mit schneebedeckten Gipfeln, an dessen Abhang nahe den Albanerbergen Pa- laestrina, die alte Feste Praeneste, leicht zu erkennen ist.
Von diesem„Belvedere“ ging die Wagenfahrt am Denkmal Garibaldis und herr- lichen Palmen vorüber den Janiculus hinab, und nordwärts nach dem Vatikan, wo wir die Façade und den riesigen Vorplatz der Peterskirche zum ersten Mal in der Nähe erblickten, weiter am Standbild Cavours vorüber nach dem Monte Pincio. Wie alle Nachmittage spielte hier vor dem dichtgedrängten, aus allen Nationen gemischten Publikum eine treff- liche Militärkapelle, während durch die mit zahllosen Büsten geschmückten Baumpflan- zungen und Boskets eine lange Reihe glänzender Equipagen sich in malerischem Zuge dahinbewegte. Denn hierber richtet die römische Aristokratie ihre Spazierfahrten, hier werden an den Equipagen Besuche gemacht und empfangen, und so entfaltet sich ein sehr anziehendes Bild.
Die Hauptlosung für den nächsten Tag war: die Peterskirche und die vati- canischen Museen.
Schon in frühester Morgenstunde am Gründonnerstag betraten wir das Innere der grössten und glänzendsten Kirche der Welt, deren Flächeninhalt 15 000 Quadratmeter be- trägt. Die ungeheuren Dimensionen aber erkennt man, wie schon Goethe erfahren hat, erst nach längerer Zeit: wenn man sich zum Beispiel die Mühe macht, einen der vier Kuppelpfeiler zu umschreiten, so hat man etwa 110 Schritte zurückzulegen. Und doch, in welcher Harmonie erscheint hier alles, wie herrlich vor allem die Hauptkuppel, die un- geführ in der Grösse des Pantheon, auf vier gewaltigen Bogen schwebend, gen Himmel steigt! Am Charfreitag hörten wir gegen Abend die berühmte Lamentatio von Palestrina vom päpstlichen Süngerchor hier vortragen, und hatten unsern Standpunkt unter der grossen Kuppel, so dass Auge und Ohr reiche Weide fand. Aber wenn auch die Sinne in hohem


