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nun auch zur Hauptstadt der geeinigten italienischen Nation geworden ist, in der ganzen gebildeten Welt befruchtend weiter.
Was soll ich vom Capitol sagen, auf dem die Spuren des antiken Lebens unter neuen Schöpfungen fast völlig verschwunden sind? Der moderne Capitolplatz, zu dem Michel Angelo den Entwurf gemacht hat, dürfte vielen durch Abbildungen bekannt sein. Der mit dem Turm geschmückte Senatorenpalast nach dem Forum zu erhebt sich bekannt- lich auf den Trümmern des alten Staatsarchivs, des Tabularium, von dessen fünf offenen Hallen über dem Forum nur noch ein Bogen erhalten ist, von dem aus man das Forum in seiner ganzen Linic überschauen kann. In den beiden Seitenpalästen besichtigten wir die sogenannte Capitolinische Sammlung, darunter die Skulpturengalerie, die bekanntlich sehr hervorragende Originale, wie den sterbenden Fechter, die Capitolinische Venus, den Dornauszieher und andre birgt.
Dass an der Stelle des alten Jupitertempels südwärts vom heutigen Capitolplatz der Palazzo Caffarelli steht, in dem sich das Botschaftshotel des deutschen Reiches befindet, dürfte ebenfalls nichts Neues sein.
Während nun das Forum und das Capitol hauptsächlich als Mittelpunkte des rö- mischen Staatslebens zur Zeit der Republik unsre Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, fesseln uns hingegen die Ruinen des benachbarten Palatin als beredte Zeugen der fest- gegründeten Kaisermacht. Auch hier sind die Ausgrabungen noch in vollem Gange, so grosse Schwierigkeiten sich auch entgegenstellen. Man macht sich kaum einen Begriff von der Grossartigkeit dieser Palastruinen, die uns bezeugen, was Caesarenmacht und Caesaren- wahnsinn geschaffen hat. Jetzt bat sich die ganze Pracht der südlichen Vegetation über und um sie entfaltet: allenthalben stehen wie trauernd die dunkeln schlanken Cypressen, hohes Palmengebüsch neigt die breiten Wedel hinein in die Strassen und Gänge, in die Prachtgemächer der Weltbeherrscher, Aloes und riesige Cakteen wachsen auf den Mauern.
Uns interessierte besonders der Palast des Tiberius, der Tempel des Jupiter-Stator auf der Nordseite, der Palast des August und der Flavier auf der Südseite des Berges. UÜbrigens waren in dem kaiserlichen Stadium neben dem Palast des August zahlreiche Tische aufgerichtet für das Banket, das der italienische Kultusminister am zweiten Oster- tag für die Vertreter der Presse dort veranstalten wollte. Die illustrierte Zeitung hat bald darauf eine Beschreibung und auch Abbildungen von dem Fest, sowie von dem Palatin und seinen Umgebungen gebracht.
Besonders sehenswert war für uns auf dem Palatin noch zuletzt der Palast der Li- via, der Gemahlin des August, mit ausgezeichneten Wandgemälden, die in Pompeji kaum ihresgleichen finden.
In geringer Entfernung östlich vom Palatin erhebt sich der Triumphbogen des Con- stantin, der sehr gut erhalten ist. Er wendet die vordere Seite dem Riesenbau des schon wiederholt erwähnten Coliseo zu, das Titus, der Zerstörer Jerusalems, für 78 000 Zu- schauer vollendet hat. Ich sah es am Morgen, vom Innern, von der Arena, aus, als die Sonne schon hoch am Himmel stand, in malerischer Beleuchtung; noch märchenhafter soll es sich bei Mondschein ausnehmen und am wunderbarsten bei bengalischer Beleuchtung, wie sie auch während unserer Anwesenheit, am Abend vor Ostern, stattgefunden hat.
Doch nun einmal hinweg von diesen Denkmälern einer längst entschwundenen Zeit und zurück in die Gegenwart, die sich in Rom freilich nirgends ganz von der Vergangen-


