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Da, wo die Kaiser-Foren mit dem Forum Romanum im spitzen Winkel zusammen- trafen, wurde später die Basilika des Constantin errichtet, deren drei Bogen von so riesen- hafter Spannung sind, dass sie beim Bau der Peterskirche zum Muster gedient haben. Dort drüben zu unsrer Rechten ragen sie, fast alles Schmuckes beraubt, noch heute empor, weit- hin sichtbar, ernst und düster, als wollten sie noch weiteren Jahrtausenden trotzen.
Die gewaltigen Bauten des von unserem Standpunkte allerdings nicht sichtbaren, in nördlicher Richtung gelegenen Forum Trajanum, zu deren Beschreibung, wie Ammian sagt, der Mund nicht ausreicht, und die von Sterblichen nicht wieder gewagt werden könnten, liegen noch zum grössten Teil unter dem Schutt der Jahrhunderte begraben. Der ausge- grabene Teil— man kommt gewöhnlich daran vorüber, wenn man vom Norden der Stadt das Forum Romanum besucht— liegt wie dieses ziemlich tief unter der modernen Stadt und ist ebenfalls von den benachbarten Strassen und Häusern durch eine Barriere abge- sperrt. Der eingeschlossene Raum wurde grösstenteils von der Basilica Ulpia eingenommen, deren fünf Schiffe an den vier Reihen granitner Säulenstümpfe deutlich erkennbar sind, die man später an Stelle der verschwundenen gelben Marmorsäulen errichtet hat. Voll- ständig erhalten von diesem Forum ist bloss die bekannte Trajanssäule, nur dass sie jetzt vom Erzbilde des Apostels Petrus an Stelle des Kaiserbildes gekrönt wird.
So erbebend auch der Gedanke ist, an solchen Stätten zu weilen, so überkommt den Beschauer doch ein Gefühl der Wehmut, dass all diese Herrlichkeit unter dem un- barmherzigen Schritt der Weltgeschichte in Staub gesunken ist.
Die Verwüstung begann, sobald das Christentum zur Staatsreligion erhoben wurde. Nachdem schon zu Constantins Zeiten die Götterbilder zerstört oder verstümmelt waren, strömten scharenweise die Mönche herbei, die unter Führung von Bischöfen die herrlichen Säulen der alten Tempel zerbrachen. Was an Kunstschätzen noch übrig geblieben war, zerstörte die plündernde Hand der einbrechenden Gothen, Vandalen und anderer Barbaren- völker. In den antiken Bauten der Fora wurden Kirchen angelegt, San Adriano, Santa Francesca Romana und andere. Ein Jahrtausend hindurch haben dann die Fora als Stein- brüche gedient, aus denen Paläste und Gotteshäuser ihre Säulen, ihre Bronze und— ihren Kalk bezogen: hat man doch allein in der Basilica Julia drei Kalkgruben und Arbeitsplätze von Steinmetzen angetroffen. So verödete dieser Stadtteil mehr und mehr, bis endlich auch der Name des Forum verschwand und mit dem des Campo Vaccino vertauscht wurde!
Solche Betrachtungen ruft der Anblick dieser unvergleichlichen Trümmerstätten im Geiste des Beschauers wach; doch die Glocken der ringsumher in den Resten der antiken Gebäude angelegten Kirchen erinnern ihn daran, dass die Mission Roms mit dem Unter- gange des alten Reiches nicht zu Ende war. War es bisher der Mittelpunkt staatlicher Macht und antiken Geisteslebens gewesen, so wurde es im Mittelalter der Sitz der das Abendland beherrschenden, von den Päpsten errichteten Hierarchie, wodurch die schlum- mernde Stadt zu neuem Leben erwachte. Und als sich dann die lange Nacht des Mittel- alters aufhellt, als neue Länder sich kühnen Seefahrern erschliessen, grosse Erfindungen der menschlichen Kultur dienstbar werden und auch auf kirchlichem Gebiet die Geister kühner ihre Schwingen regen, da werden auch die verschütteten Bauwerke und Bildsäulen dem Tageslicht zurückgegeben. An den noch erhaltenen Werken der alten Litteratur ent- zündet sich das Feuer der Begeisterung, die Kunst und Wissenschaft der Renaissance durchglüht, und bis auf den heutigen Tag wirkt die Zauberkraft der einzigen Stadt, die
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