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unter Verzichtleistung auf die Naturschönheiten und Altertümer Tivolis, zu deren Besich- tigung der letztere von der Gesellschaft bestimmt war, einer eingehenderen Betrachtung dieser Stätte. Zu welchen Erinnerungen regt dieser Platz mit seinen Trümmern den Be- schauer an! Die ganze Entwickelung des römischen Reiches mit ihren weltbewegenden Ereignissen wird hier lebendig und zieht an unserm geistigen Auge vorüber! Nehmen wir ungefähr in der Mitte des Forums vor dem Castortempel auf der Via sacra, deren antikes Pflaster noch auf weiter Strecke erhalten ist, da wo sie von der Nord- nach der Südseite herüberlenkt, Aufstellung, so dass wir das Capitol zur Linken, den Palatin im Rücken haben, so überblicken unsre Augen einen Raum, den man als Geburtsstätte und Mittel- punkt des römischen Staates ansehen muss. In unmittelbarer Nühe, zu unsrer Rechten, ist die kreisförmige Stelle noch deutlich sichtbar, wo seit der Königszeit der Vesta Tempel stand, gleichsam der Herd des römischen Staates, wo das heilige Feuer genährt wurde, von wo alljährlich„der Poutifex die schweigende Jungfrau in feierlichem Zuge auf das Capitol geleitete“. Das Wohnhaus der Vestalinnen(atrium Vesta) gleich daneben ist in seinen untersten Teilen erhalten und bietet noch mancherlei Erinnerungen an das Leben dieser Priesterinnen, die durch ihr Gelübde jahraus, jahrein an das Haus gefesselt waren. Unter anderem hat man eine Reihe ganz oder teilweise erhaltener Statuen von Obervesta- linnen hier aufgefunden und an Ort und Stelle aufbewahrt.
Gerade vor uns auf der Nordseite des Forums vor der Curia Hostilia, die sich an der Stelle erhob, wo jetzt die Kirche San Adriano steht, war, wie wohl nach den neuesten Forschungen anzunehmen ist, das comitium, d. h. derjenige Teil des Forums, wo in alter Zeit die patrizischen Curiatcomitien sich versammelten, während weiter links nach dem Capitol zu in späterer Zeit wohl die Tribut-Comitien zu tagen pflegten, die zuerst für die Plebejer und dann für den ganzen Staat so bedeutsam geworden sind. Auf diesem Platz erblühte die römische Beredsamkeit: hier redeten leidenschaftliche Volkstribunen wie die Gracchen und Gajus Memmius, hier auch ein L. Crassus, ein M. Antonius, ein Hortensius und ein Cicero zu der lauschenden Menge. Denn hier auf diesem Platz erhoben sich auch die Tribunale der Prätoren, an denen die Gerichtsverhandlungen stattfanden, die zur Kai- serzeit in die benachbarten Basiliken verlegt wurden, und so ist vornehmlich auf diesem Boden das römische Recht erwachsen, das so tief in das Leben der Völker eingreifen sollte. In der Curia Hostilia aber, wie auch zuweilen im Castortempel hinter uns oder im Tem- pel der Concordia drüben am Fusse des Capitols, hielt der Senat seine Sitzungen, der die Staatsverwaltung und namentlich die auswärtige Politik je länger je mehr in seiner Hand hatte. So wurde fast über alle wichtigen Angelegenheiten, die das römische Volk und später das gesamte Reich bewegten, hier auf dem Forum entschieden. Was hat Vater- landsliebe, Mannesmut, weit blickende Staatsweisheit hier geleistet! Welche ergreifenden Scenen haben sich hier in den kritischen Zeiten, wie im zweiten punischen Kriege, und in den Tagen des Glücks und der beispiellosen Erfolge der römischen Politik abgespielt! Von hier aus zogen die römischen Imperatoren hinaus, um die Welt zu erobern, und hier- her kehrten sie an der Spitze ihrer beutebeladenen Legionen triumphierend zurück, Könige gefesselt der Schaulust des übermütigen Volkes preisgebend. Dort drüben im carcer Tul- lianus am Capitol hinter dem Severus-Bogen— das Tonnengewölbe über ihm ist noch heute zugünglich— hat mancher besiegte Feldherr, ein Jugurtha und auch ein Vereinge- torix, ein verdientes oder unverdientes Ende gefunden. Mit der Macht und den Reich-
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