Aufsatz 
Für welche Fachwissenschaften haben die heutigen Realgymnasien vorzubereiten?
Entstehung
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14 muss ich mich feierlich verwahren. Im Gegentheile halte ich die sorgfältige Be- nutzung dieser Collegia von Seiten des Mediciners für ganz unerlasslich.Nun, wenn dies nöthig bleibt, was ist dann für den künftigen Arzt gewonnen? Dann ist es ja von Neuem beim Alten geblieben und jener hat nach wie vor die gleiche Anzahl von Vorlesungen und auch just zu derselben Zeit zu hören!

Aus der Rechtfertigung jener Behauptung wird sich zugleich die Wider- legung des eben erhobenen Einwandes ergeben. Dao quum faciunt idem, non est idem. Denken wir uns in einer der obengenannten Vorlesungen zwei Zuhörer nebeneinander, den einen bereits mit einem grossen Theile der zu behandelnden Gegenstände dem Namen und der Sache nach bekannt, den andern aber entweder ganz oder doch fast fremd hierin. Dieser hat, so zu sagen, alle Hände voll zu thun, denn ihm sind neu die Sachen, die Erschei- nungen, die Namen für beide, und ausserdem die Art und Weise, wie jene nach dem dermaligen Standpunkte der Wissenschaft zu einem organischen Ganzen verbunden werden. Ist es wirklich wahr, dass unter solchen Um- ständen von der Mehrzahl solcher Zuhörer dies Alles gleichzeitig in gehöriger Weise aufgefasst und verarbeitet wird? Wenn nicht mit dem Eintritte in die Universität diese Fähigkeit mit einemmale hervorbricht, so muss die Frage verneint werden; denn, wer als Gymnasiallehrer gleichzeitig von seinen Schü- lern Gewältigung des Stoffes und der Form verlangt, der wird von seinem Unterrichte wenig Früchte erleben. Sie muss dies um so entschiedener wer- den, als, wie schon früher erwähnt wurde, bei einem nothwendig rasch voran- schreitenden Gange, in kurzer Zeit sehr viel auf einmal abzuthun ist, als aus- serdem die Thätigkeit des Studirenden vielseitig in Anspruch genommen wird und als in jedem Gebiete der exacten Wissenschaften das Erfassen einer Menge von wirklichen Thatsachen unerlasslich bleibt.

Sehen wir zu, in welcher Lage sich dagegen der erstere meiner zwei Zuhörer befindet. Ein grosser Theil der in der Vorlesung betrachteten Thatsachen ist ihm gegenwärtig, die Terminologie ist ihm geläufig, auch hat er schon das ihm Bekannte ordnen gelernt. Er hat also vor jenem den mächtigen Vor- sprung, seine Aufmerksamkeit ausschliesslich auf die für ihn noch hinzukom- menden Thatsachen, und was noch viel höher anzuschlagen ist, auf die Auf-

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