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nung ihres Einzelberufes befähigen, wenn diese Befähigung immer mehrere Stufen durchdringt, in denen nicht bloss die Hand, sondern auch der Geist thätig ist, um diese richtig und zweckmässig zu leiten: so müssen auch die, denen die Obhut über alle diese anvertraut wird, mit jenen gleichen Schritt halten, damit sie im vollsten Sinne des Wortes die Leiter bleiben und die Zügel mit sicherer geübter Hand zu führen im Stande sind, damit auch in der Zukunft die tüchtiger Vorgebildeten in ihren untergeordneten Sphären das entschiedene Uebergewicht der höher Gestellten nicht bloss in Beziehung auf den Geist, sondern auch auf die positive Sachkenntnis gern und willig anerkennen. 83.
Dass nach dieser Ansicht den Realgymnasien vorzugsweise die Aufgabe der Vorbildung der kommenden Geschlechter für diesen Zweck zufällt, scheint mir nahe zu liegen, indem der auf einer solchen Anstalt gründlich und tüchtig herangebildete Schüler bei seinem Uebergange zur Hochschule den gros- sen Vortheil haben wird, diese sofort zu Hauptstudien benutzen zu können, nicht aber erst zu in Hast zu betreibenden Vorstudien, welche er bereits ohne Hast gemacht, benutzen zu müssen. Wenn dies bisher nicht so gewesen, so wird hierin kein ernstlicher Einwurf gegen jene Ansicht liegen; denn damit wäre ja geradezu behauptet, es sei die Gegenwart und sogar die nächste Zukunft von der Vergangenheit nicht verschieden— was doch wohl Niemand, selbst einem schwachen Gegner gegenüber, möchte durchführen wollen.— Mit mehr Grund lässt sich zu einem Einwande gegen den obigen Vorschlag die oben erwähnte Thatsache benutzen, dass für die eigentlichen Cameralia auch vielleicht jetzt noch an einzelnen Hochschulen verhältnissmässig weniger gesorgt sei, und dass man daher auf Etwas vorbereite, was man hernach gar nicht haben könne. Abgesehen davon, dass dies, wenn überhaupt, nur von einzelnen Universitäten gilt und dass man dann nur dahin zu gehen braucht, wo sich das Gesuchte vor- findet, entsteht in dieser Beziehung, da das Bedürfnis für die Zukunft gar nicht hinwegzuleugnen ist, die einfache Frage, wer hier die Initiative ergreifen müsse: die Schule oder die Universität, der Unter- oder der Oberbau? Wenn die Zuhörer da sind, so ist, dünkt mich, der neue Lehrstuhl bald und um so lieber geschaffen, als diese sich sonst anderswohin wenden; während das


