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quellen eines Landes zu öffnen und ihnen einen Weg anzubahnen. Denn hiermit treten einander nicht blos oft die Einzelinteressen hindernd in den Weg, wodurch eine auf deren genauerer Kenntnis beruhende Ausgleichung und Entscheidung nöthig wird, sondern es entsteht auch noch die beson- dere Aufgabe, das Naturgemässe und dem Ganzen Förderliche zu heben, dem durch künstliche Mittel zu einer unnatürlichen Höhe Hinaufwachsenden zu rechter Zeit eine vorsorgliche Aufmerksamkeit zu widmen und das mit Ueberfluthung Drohende einzudämmen. Dass diese zunehmenden Verwickelungen in Aussicht stehen, dürfte kaum zu bezweifeln seyn, und damit zugleich, dass für eine solche Zukunft mit Benutzung aller jetzt vorhandenen Hülfsmittel durch Heranbildung einer Generation zu sorgen sey, welche mit diesen Einzel- heiten möglichst bekannt und dabei zugleich auf einem allgemeinen wissen- schaftlichen Standpuncte stehend, jener mit jedem Jahre schwieriger werdenden Aufgabe künftig gewachsen ist. Hierzu gehört im letzten Stadium das akade- mische Studium, im vorletzten aber eine streng wissenschaftliche Vorbildung auf solchen Anstalten, welche, ohne Vernachlässigung des Uebrigen, die jugendliche Geisteskraft besonders an den sogenannten exacten Wissen- schaften entfalten.
Jene akademischen Studien werden bekanntlich mit Cameralien bezeichnet.
Sie wurden einst an manchen Universitäten ziemlich kärglich bedacht und daher auch kümmerlich genug betrieben. Das Letztere ging sogar so weit, dass der Ausspruch:„Er studirt Cameralia“ oft zu einer allgemeinen Bezeichnung angewendet wurde, die weder für das Studium selbst, noch für den wissenschaftlichen Standpunkt des Betroffenen besonders schmeichelhaft war. Allein die Zeiten haben sich hierin sehr geändert und werden es in nächster Zukunft noch weit mehr thun. Denn so lange den einzelnen dahin gehörenden Zweigen die Wissenschaft mehr oder weniger fremd geblieben, so lange sie noch zum Theil auf der Stufe blosser Empirie gestanden, so lange sie nicht unter einander in einen engen Verband getreten waren: so lange war es leichter möglich, auf die ausschliessliche Kenntnis eines einzelnen Gegenstandes dessen Regulirung zu gründen. Wenn aber die neuen Generationen mit Mitteln aus- gerüstet werden, die sie zur wissenschaftlichen Auffassung und Vervollkomm-


