Aufsatz 
In welcher Beziehung steht die lateinische Sprache zu den Lehrgegenständen der heutigen Realgymnasien?
Entstehung
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jedesmaligen Wortfolge klar gemacht hat, ſo wird ihm nach und nach ein gründliches Leſen ſo zur andern Natur, daß er immer mehr von jener Vorüberſetzung entbun⸗ den werden und dann deſto raſcher vorwärts ſchreiten kann. Ein beſonderes Ge⸗ wicht iſt ferner auf die Zergliederung zuſammengeſetzter Sätze zu legen, woran der Schüler recht eigentlich allgemein grammatiſche Studien machen lernt. Hierzu aber bedarf es, wie mir ſcheint, gar keines von vornherein abſchreckenden beſondern ter⸗ minologiſchen Apparates. Wenn der Schüler gründlich weiß, was er unter Sub⸗ ſtantivum, Pronomen, Adjectivum, Verbum, Adverbium u. ſ. w. zu verſtehen habe, ſo läßt ſich hiermit, wenn dieſe Begriffe jetzt erweitert werden, zu großer Befriedi⸗ gung des Schülers, dem nach meinen Erfahrungen eine ſolche einfache Auffaßungs⸗ weiſe ſehr zuſagt, gar viel ausrichten. Bei dieſen Uebungen aber iſt der Gewinn für den deutſchen Sprachunterricht noch bedeutender, als für die ſo gedrängte und gegliederte Sprache ſelbſt, an der ſie angeſtellt werden. Es bedarf übrigens wohl kaum der Erwähnung, daß das bisher über die Behandlung des Lateiniſchen Ge⸗ ſagte nicht ſo zu verſtehen ſey, als ſolle dieſelbe ununterbrochen auf jedes Wort und jeden Satz angewendet werden, weil dabei der Schüler ohnfehlbar in Kurzem ermatten und im Ueberſetzen ſelbſt nicht vorwärts kommen würde. Solche Uebun⸗ gen ſind, namentlich bei gereifteren Schülern, nur zeitweiſe, wo es beſonders nöthig oder paſſend erſcheint, vom Lehrer anzuſtellen; waͤhrend außerdem nach Maßgabe der Kräfte in der Lectüre raſch voran zu ſchreiten iſt. Aber das muß, meines Erachtens, unabänderlich feſtgehalten werden, daß der Schüler, nachdem er etwas Zuſammenhängendes geleſen, am Schluße des Ganzen, oder wenn es länger iſt, außerdem am Schluße jedes Theilganzen mündlich und nachher zuweilen auch ſchriftlich, von dem Inhalte des Geleſenen Rechenſchaft ablege, weil er im Bewußtſeyn, daß dieß nie ausbleibe, ſich nicht mit den Einzeln⸗ heiten begnügt, ſondern gleich beim Ueberſetzen ſich dieſe in ein Ganzes zu vereini⸗ gen ſucht. Dieſe übrigens nicht auf das Lateiniſche zu beſchränkenden Uebungen ſind es, welche den Schüler in jeder Beziehung mächtig fördern, welche ihn erſt das darſtellen lehren, was er bis in das Einzelnſte durchdrungen und ſich zu eigen ge⸗ macht hat, und, nachdem er hierin bereits einige Sicherheit und Gewandtheit er⸗ langt, ihn befähigen, Selbſtgedachtes geordnet, zuſammenhängend, beſtimmt und gut ſwliſirt in einer freien deutſchen Arbeit wiederzugeben.