Aufsatz 
In welcher Beziehung steht die lateinische Sprache zu den Lehrgegenständen der heutigen Realgymnasien?
Entstehung
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Eindringen in jene Sprache und in die Urſachen, warum ſie ſich ſo und nicht an⸗ ders geſtaltet, ohne Bekanntſchaft mit der Grundſprache nicht möglich ſey, und da⸗ her ohne die enge Verbindung beider Sprachen ein großer Theil der innern geiſti⸗ gen Ausbildung für den Schüler verloren gehe; endlich, daß durch die Aufnahme des Lateiniſchen in den Unterricht das Studium des Deutſchen ſehr befördert und durch Entbehrlichmachung eines geſonderten deutſch⸗ Kenimatiſche Unterrichts in den untern Klaſſen weſentlich erleichtert werde.

Außerdem dürfen wir doch wahrlich nicht vergeßen, daß das in rechter Weiſe betriebene Leſen römiſcher Klaſſiker ſeinen wohlthätigen und kräftigenden Einfluß auf das jugendliche Gemüth nicht verfehlen kann, den wir doch ja nicht, in allzu⸗ großem Neuerungseifer, zu gering anſchlagen oder gar überſehen wollen. Selbſt auf die Gefahr hin, verketzert zu werden, ſtehe ich nicht an zu behaupten, daß na⸗ mentlich die franzöſiſche Lectüre, ſelbſt die ſorgfältigſt ausgewählte, nicht von dem Geſammterfolge ſeyn wird, den die eines unter guter Anleitung geleſenen römiſchen Klaſſikers gewähren kann, worin mir wenigſtens diejenigen beiſtimmen werden, denen die letzteren nicht verleidet worden ſind und die daher auch ſpäter noch gern wieder nach dieſer kräftigen Koſt greifen.

Auch darf im Intereſſe des Ganzen nicht unbeachtet bleiben, daß es den Real⸗ gymnaſien obliegt, Zöglinge heran zu bilden, die ſpäter, nach vollendetem akademi⸗ ſchen Curſus, ſich dem Lehrfache an dieſen Anſtalten widmen und die daher ſolche Vorſtudien zu machen haben, daß ſie, wenn ſie beſonders die Naturgeſchichte oder die Sprachen ins Auge faßen, in jene wie in das innere Weſen von dieſen unge⸗ gehindert eindringen können, damit ihr Unterricht geordnet, deutlich, beſtimmt und anregend werde. Hierzu aber iſt in unſern Tagen hiſtoriſche Kenntnis der Sprache ganz unerlaßlich und wird es, nachdem einmal auch für die romaniſchen Sprachen die Bahn gebrochen iſt, in ſehr kurzer Zeit noch mehr werden.

Erfüllen übrigens die Realgymnaſien und ſie werden es, wenn man ſie gewähren läßt ihre Aufgabe, ihre beßeren Schüler bleibend zum Weiterforſchen im Gebiete der Wißenſchaften anzuregen, ſo können diejenigen, welche dazu Zeit haben, der Frage nicht ausweichen, wie ſich der beſondere Zweig, mit dem ſie ſich vorzugsweiſe beſchäftigen, allmählich bis zu ſeinem jetzigen Standpunkte herange⸗ bildet habe. Sowie ſie aber in die Vergangenheit zurückgehen, ſtoßen ſi⸗ ſie,