Aufsatz 
In welcher Beziehung steht die lateinische Sprache zu den Lehrgegenständen der heutigen Realgymnasien?
Entstehung
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wenn fie anders aus der Quelle ſchöpfen wollen, auf faſt lauter in lateiniſcher Sprache geſchriebene Werke. Hier giebt es, was namentlich die exakten Wißen⸗ ſchaften betrifft, für den Strebſamen noch eine reiche Ausbeute, die dem bloßen Sprachkenner unzugänglich bleiben muß, weil zum vollen Verſtändniſſe jener Werke eine gründliche Kenntnis der Wißenſchaft ſelbſt gehört. Da nun die Realgymnaſien die exakten Wißenſchaften beſonders anzubauen haben, ſo werden auch aus ihnen künftig die meiſten hervorgehen, die zu ſolchen Forſchungen geeignet ſind, ſobald ſie außerdem die zum Quellenſtudium erforderlichen Kenntniſſe des Lateiniſchen be⸗ ſitzen. Gegen den Werth aber ſolcher hiſtoriſchen Unterſuchungen wird wohl ernſtlich Niemand einen Einſpruch thun, da es inneres Bedürſnis des Beſonnenen iſt, zu wißen, auf welche Weiſe und durch wen man bis dahin, wo wir eben ſtehen, gekommen ſey, wobei auch Mancher, der ſie benutzt, einige Beſcheidenheit für ſich und viel Hochachtung gegen die großen Männer der Vorzeit mit hinweg⸗ nimmt, von denen er lernt, wie ſie durch Beharrlichkeit für ihre Zeit große Schwie⸗ rigkeiten überwunden haben.

Endlich bildet die lateiniſche Sprache noch ein Band, welches die früheren und die heutigen Verhältniſſe vermittelt, und das man aus zwei gleich erheblichen Gründen nicht voreilig löſen ſollte. Häufig tritt der Knabe ſchon mit dem zehnten Lebensjahre in das Realgymnaſtum, alſo in einem Alter, wo ſich in der Regel über deſſen künftigen Beruf noch gar nichts entſcheiden läßt. Hat nun die Anſtalt jede alte Sprache aus dem Bereiche ihres Unterrichts verbannt, ſo iſt, wenn ſich in dem Knaben ſpäter eine vorherrſchende Neigung zu einem Studium entwickelt, das vorzugsweiſe auf der Kenntnis des Alterthums beruht, demſelben der Uebergang in das hierfür beſtimmte Gymnaſtum ſo gut wie verſperrt, wenn er nicht als ein ſchon Gereifterer mit Verluſt einiger Jahre hier wieder von unten auf zu dienen ſich entſchließt. Die Beibehaltung des Lateiniſchen in den Realgymnaſien aber hält dieſen Uebergang offen, worauf jeder Wohlwollende, der die Folgen der widerwilli⸗

gen Ergreifung eines Berufs beobachtet hat, gewis einen hohen Werth legen wird.

Wenn dieß ſich nur auf Einzelne bezieht, ſo giebt es noch etwas Allgemeines, was die Beibehaltung einer alten Sprache in den neuen Anſtalten wünſchenswerth

macht. Es bildet zur Zeit einen Verband zwiſchen allen Gebildeten, die aus den

höheren Lehranſtalten hervorgehen. Wer auf einem Realgymnaſtum unter Verzicht⸗