Aufsatz 
In welcher Beziehung steht die lateinische Sprache zu den Lehrgegenständen der heutigen Realgymnasien?
Entstehung
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feln. Das aber glaube ich als eine nothwendige Folge aus dieſer Methode ablei⸗ ten zu können, daß ſie vor der Zeit aus einem empfänglichen Knaben einen raͤſo⸗ nirenden und klügelnden macht, der für ſeine wenigen Vorſtellungen und Gedanken ein gewaltiges Fachwerk aufweiſt, in welchem er ſie placirt, und der durch dieß immerwährende Zerpflücken und Zerſetzen um alle Poeſie des Lebens kommt, die dem armen Menſchen doch ſo Noth thut. Es dürfte in der That zweifelhaft bleiben, ob die Alten, die das Gedächtnis, oder die Neuen, die das Urtheil bevorzugen, mehr zu tadeln ſeyen. Jedem Alter das Seine! Das Bedürfnis des Ordnens und Sichtens erwacht in uns erſt dann, wenn wir etwas der Rede Werthes zu ordnen und zu ſichten haben.

Intereſſe aber flößt dem Knaben nur das ein, was ihm erreichbar und zugleich noch völlig neu iſt. Iſt nun das Neue mit dem Alten, das er ſchon kennt oder doch zu kennen glaubt, vergleichbar, ſo hat es für ihn einen Reiz, zunächſt das Abwei⸗ chende und ſpäter auch das Uebereinſtimmende neben einander zu ſtellen und ſo das ihm vöoͤllig bekannt Geglaubte mit andern Augen anzuſehen. Es geht ihm, wie dem Wanderer in fremden Landen, der, als er noch daheim war, das ihn Umgebende nicht zu würdigen verſtand, jetzt aber das Heimweh bekommt und nun erſt den Reichthum und das Glück im eignen Vaterhauſe ſchätzen lernt.

Ich meine an der fremden Sprache lernt der Schüler, Anfangs unvermerkt,

das Eigenthümliche der eignen kennen. Er lernt es mit Luſt, und darum mit

glücklichem Erfolge, weil er ſich allein mit dem ihm Fremden zu beſchäftigen glaubt, während er in der eignen Mutterſprache ſich im Grunde mehr als in jener ver⸗ vollkommnet.

Es fragt ſich jetzt, welche fremde Sprache für dieſen Zweck am beſten geeig⸗ net ſey. Ich glaube, unbedenklich diejenige, welche unter den überhaupt zuläßi⸗ gen die biegſamſte, die formenreichſte und die freieſte iſt. An ihr nämlich wird der Schüler am ſicherſten zu einer möglichſt umfaßenden Kenntnis der verſchiedenen Beziehungen gelangen, in welche die einzelnen Redetheile zu einander treten können. An ihr wird er, zugleich wegen der größern Freiheit der Wortſtellung, am erfolg⸗ reichſten in den Sinn des zu Leſenden eindringen, ſobald ihn der Lehrer veranlaßt, ſich von dem Grunde der jedesmaligen Wortfolge Rechenſchaft zu geben. Außer⸗ dem wird die Kenntnis einer ſolchen Sprache noch den Vortheil gewähren, daß die

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