Aufsatz 
In welcher Beziehung steht die lateinische Sprache zu den Lehrgegenständen der heutigen Realgymnasien?
Entstehung
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prägung einzelner verbindungsloſer ſogenannter Sprachregeln; ſondern ich glaube, man dringe erſt dann gehoͤrig in eine Sprache ein, wenn jener Vorrath ſich im Einzelnen um gewiſſe Stammwörter gruppirt und wenn die verſchiedenen Sprach⸗ erſcheinungen aus der Biegſamkeit und dem Reichthume der Formen, aus dem Ent⸗ wickelungsgange, welchen eine Sprache genommen hat, und aus dem Geiſte des Volkes abgeleitet werden, dem dieſelbe angehört. Denn das Zuſammenhangsloſe ver⸗ fliegt wie es angeflogen iſt, und Regelaggregate, womit man ſich oft genug begnügt, bleiben auch im Kopfe des Schülers Aggregate, die als ſolche wenig Reiz für dieſen haben. Wer nur ein halb offenes Auge für den Erfolg einer ſolchen Erlernungsweiſe fremder Sprachen hat, der wird zugeben, daß dasWie gewonnen, ſo zerronnen viel⸗ leicht ſich nirgends mehr als hier beſtätiget. Der noch größere Nachtheil aber je⸗ ner Behandlungsweiſe beſteht in der Verfehlung eines Hauptzieles alles Schul⸗ unterrichtes, einer tüchtigen und kräftigen Geiſtesentwickelung, an deren Stelle dann eine ziemlich nüchterne Uebung des Gedächtniſſes tritt, die allerdings ſtatt fin⸗ den muß, die aber viel leichter von Statten geht, wenn ſich durch das zu Erler⸗ nende ein leitender Grundgedanke hindurchzieht, wie die Kryſtallbildung leichter und ſchöner erfolgt, wenn in die Aufloͤſung ein kleiner Kryſtall gebracht worden.

Faßen wir in dieſer Beziehung zunächſt das Franzoͤſiſche ausſchließlich etwas näher ins Auge!

Unter welchen Vorausſetzungen iſt es wohl möglich, in die Bildungsweiſe der Wortformen, in den Satzbau, in die Hülfsmittel, deren man ſich bedient, um ſelbſt bei mannichfacher Beſchränkung doch mit Beſtimmtheit ſagen zu können, was man eben ſagen will, in die Urſachen, weshalb gerade eine Verarmung zur Eröffnung neuer Hülfsquellen geführt hat, die zuletzt theilweiſe einen größern Reichthum ge⸗ währt, als ſogar urſprünglich da geweſen war, gehoͤrig einzudringen? Die Antwort kann bei dem wißenſchaftlich Gebildeten nicht einen Augenblick ſchwankend bleiben. Es gibt hierzu, trotz allem Sträuben von mancher Seite, kein anderes Mittel, als ſich ohne weiteres an die Quelle zu begeben. Die franzöſiſche Sprache iſt aus der Lateiniſchen hervorgegangen und ſteht zu ihr in einer ſo engen Beziehung, daß der Ausdruck einer Tochterſprache zur Bezeichnung dieſes Zuſammenhanges kaum hinzureichen ſcheint. Wer alſo nicht ſo gut wie vollſtändig auf die Erkenntnis der Spracherſcheinungen in dem umgeformten Latein verzichten will, der muß mit