Aufsatz 
In welcher Beziehung steht die lateinische Sprache zu den Lehrgegenständen der heutigen Realgymnasien?
Entstehung
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werth wäre, wie ſie einſt Weingärtner über die combinatoriſchen Zeichen in einer beſondern Abhandlung gegeben. Der Verfaßer ſelbſt geſteht ganz offen, daß ihm aus dieſem Grunde eine lateiniſch geſchriebene Botanik leichter zugänglich iſt, als eine dem Gehalte nach eben ſo gute in deutſcher Sprache. Dann aber iſt noch der bedeutende Aufwand für den Druck botaniſcher zum Theil durch Ab⸗ bildungen erläuterter Werke ein gar nicht zu verachtender Grund für die fernere Beibehaltung des Lateiniſchen. Wollten die ausgezeichneten Botaniker jenen guten Rath, in der eigenen Sprache zu ſchreiben, befolgen, ſo würde ein großer Theil der Fachgenoßen auf den Ankauf vieler Werke verzichten müßen, weil ſich durch den auf das Inland beſchränkten Abſatz der Preis bedeutend erhöhen müßte und zu⸗ gleich, wegen der ſchwierigen Uebertragung ſolcher Werke in eine andere lebende Sprache, ihr wißenſchaftlicher Nutzen ſehr vermindern würde. Es iſt alſo ein Aufgeben des Lateiniſchen in der botaniſchen Welt für den Augenblick noch nicht zu erwarten, und wenn die Schule die Aufgabe hat, ihre Zöglinge zum Weiter⸗ vordringen in den verſchiedenen Wißenſchaften zu befähigen, ſo weiß ich in der That nicht, womit man die gänzliche Weglaßung jener Sprache auf Realgymnaſien, die ja keine Gewerbeſchulen ſind, in dieſer Beziehung rechtfer⸗ tigen will. Doch würde hieraus immer nur folgen, daß eine ſehr mäßige Kennt⸗ nis der Sprache für die Schule hinreichte, und daher derſelben nur eine geringe Stundenzahl während eines kürzern Zeitraums zu widmen wäre.

Es iſt nun etwas näher das Verhältnis des Lateiniſchen zu der franzöſi⸗ ſchen, zu der engliſchen und zu unſrer eignen Mutterſprache ins Auge zu faßen. Zu dieſem Zwecke wird vorher zu beſtimmen ſeyn, was der Unterricht zunächſt im Franzoͤſiſchen und Engliſchen an einem Realgymnaſium beabſichtigt. Dieß iſt, wie ich glaube, für jedes einzeln ein Dreifaches: Zuerſt und vor Allem diejenige all⸗ gemeine Ausbildung des Geiſtes, welche aus einem in rechter Art betriebenen gründ⸗ lichen Studium der betreffenden Sprache an ſich hervorgeht; dann eine Aneig⸗ nung der edelſten Geiſteserzeugniſſe ihrer betreffenden klaſſiſchen Schriftſteller; und endlich die Fertigkeit, ſich richtig und mit Leichtigkeit in einer ſolchen Sprache aus⸗ zudrücken.

Unter dem gründlichen Studium einer Sprache an ſich verſtehe ich aber nicht die bloße Aneignung ihrer Formen und eines reichen Wörtervorraths und die Ein⸗