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tigen ſoll, wenn er nicht Gefahr laufen will, ſich jeden Augenblick in den Augen eines Kenners dieſer Sprache lächerlich zu machen. Darauf läßt ſich aber antworten, daß man, um einige hundert lateiniſche Subſtantiva und Adjectiva, die jene Namen bilden, zu verſtehen, richtig auszuſprechen und zu decliniren, noch nicht nothwendig ſich jahrelang mit dieſer Sprache beſchäftigen müße, indem hier Zeitaufwand und Ergebnis nicht in richtigem Verhältniſſe ſtehen.— Allein die Botanik, um bei dieſer zunächſt ſtehen zu bleiben, begnügt ſich, näher betrachtet, hiermit allerdings nicht. Bei weitem die meiſten in⸗ und ausländiſchen größern Werke über Pflanzen⸗ kunde werden noch bis heute durchaus in lateiniſcher Sprache abgefaßt, ſo daß derjenige, welcher ſich nicht für immer auf eine Flora ſeiner Umgegend zu be⸗ ſchränken gedenkt, oder der über Deutſchlands Pflanzen nur nachleſen will, was in deutſcher Sprache mit wenigen Ausnahmen mehr für den AnfAänger geſchrieben iſt, in der That einen nicht geringen Wörtervorrath inne haben muß. Wer, vielleicht erſt ſpäter zur richtigen Erkenntnis des ihm Fehlenden kommend, ſich hier ohne eine allgemeine Bekanntſchaft mit der Sprache zurecht finden will, der wird dann mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben und doch in vielen Fällen ſich nur hoͤchſt kümmerlich und auf eine ihn ſelbſt drückende Weiſe zurechtfinden.
Der bisweilen gehörte Einwurf, es ſey tadelnswerth, daß deutſche und fran⸗ zöſiſche Schriftſteller ihre Syſteme und Unterſuchungen nicht in ihrer eignen Sprache abfaßten, ſondern ſich hierzu einer todten bedienten, und die wohl gar noch darauf geſetzte Behauptung, dieſe bisherige Entäußerung der Mut⸗ terſprache werde gerade dann am erſten aufhören, wenn die Realgymnaſien das Lateiniſche verbannten, fallen weg, ſowie man ſich der Gründe erinnert, aus welchen in der Botanik der Brauch, lateiniſch zu ſchreiben, ſich auch jetzt noch erhalten hat. Einmal nämlich werden die lateiniſchen Bezeichnungen der Formen von allen Bo⸗ tanikern in übereinſtimmender Weiſe gebraucht, ſo daß jeder Leſer weiß, was der Verfaßer ſagen will, während in deutſch geſchriebenen Werken von verſchiedenen Verfaßern häufig abweichende Ausdrücke für dieſelbe Sache gebraucht werden, was
das Studium, beſonders bei Vergleichung verſchiedener Bücher, oft nicht wenig er⸗
ſchwert. Es ergeht der botaniſchen Kunſtſprache juſt wie unſrer deutſch⸗gram⸗
matiſchen, bei welcher, nach Verbannung der lateiniſchen Terminologie, ſich eine lu⸗
ſſtige Babel gebildet, ſo daß eine Synonymik hierüber ſchon jetzt recht wünſchens⸗ 2


