Aufsatz 
In welcher Beziehung steht die lateinische Sprache zu den Lehrgegenständen der heutigen Realgymnasien?
Entstehung
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Sollte ſich die letztere Behauptung als richtig erweiſen, ſollte es für das Studium des Lateiniſchen auf Realſchulen keine ganz erheblichen Gründe geben, ſollte namentlich der Zeitverluſt ſich nicht zuletzt im Ganzen mehr als ein Zeitge⸗ winn herausſtellen, ſo würde die gänzliche Beſeitigung dieſes Lehrgegenſtandes aller⸗ dings als ein wahrer Segen für die neuen Anſtalten zu betrachten ſeyn, da die vorausgeſchickten Betrachtungen die Fluth deſſen, was Aufnahme erheiſcht, als über⸗ groß bezeichnet haben und doch das Leben des Einzelnen nicht länger, im Gegen⸗ theil eher kürzer geworden. Wie ein berühmter Chemiker einſt beim Nachweis der Identität zweier irrthümlich für verſchieden gehaltener Säuren freudig aus⸗ rief: Gottlob eine Säure weniger! ſo müßte auch jeder aufrichtige Freund einer gediegenen Schulbildung ſich über die glückliche Ausweiſung eines Lehrobjectes im Intereſſe der Jugend von ganzem Herzen freuen.

Hoͤren wir indes auch die andere Seite, die in mehreren Staaten zum Theil von ſehr bedeutender Ausdehnung vertreten wird.

Für die Beibehaltung des Lateiniſchen wird angeführt, daß in Folge des Entwickelungsganges, welchen die deutſche Nation hinſichtlich der Ausbildung ihrer Sprache genommen hat, eine große Zahl von lateiniſchen Ausdrücken zurückgeblieben iſt, deren Kenntnis auch für ſolche wünſchenswerth bleibt, die im Uebrigen auf altklaſſiſche Bildung verzichten. Hierzu wird beſonders die große Zahl derer zu rechnen ſeyn, welche im mittleren Staatsdienſte verwendet werden und die aller⸗ dings ohne Kenntnis dieſer Sprache leicht vielfältigen Misgriffen bei ihrer Thaͤ⸗ tigkeit ausgeſetzt ſind. Darauf läßt ſich indes erwiedern, daß die Zahl dieſer Kunſt⸗ ausdrücke im Allgemeinen ſehr im Abnehmen iſt und in Zukunft allmählig viel⸗ leicht ganz verſchwinden werde. Ja es wird ſogar, bei dem großen Reichthume der deutſchen Sprache, von Vielen dieſer Zeitpunkt für nicht mehr fern gehalten.

In einer ſchon viel engern Beziehung ſteht die Kenntnis des Lateiniſchen zur Naturgeſchichte, indem bekanntlich die Geſchlechts⸗ und Gattungsnamen, wenigſtens in der Zoologie und Botanik, auch jetzt noch ſo gut wie allgemein la⸗ teiniſch ſind. Inſofern nun namentlich letztere Wißenſchaft einen weſentlichen Beſtand⸗ theil des Unterrichts auf Realgymnaſien bildet und bilden muß, iſt allerdings nicht wohl abzuſehen, wie Jemand ohne alle Kenntnis jener alten Sprache ſich mit Botanik beſchäf⸗