Aufsatz 
In welcher Beziehung steht die lateinische Sprache zu den Lehrgegenständen der heutigen Realgymnasien?
Entstehung
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gen Umfange hinzugeſellen könne. Dieſer aus dem Leben ſelbſt herausgewachſenen Ueberzeugung verdanken die heutigen NealNymMa ien, oder wie man ſie heißen möge, Entſtehung, Beſtand und Gedeihen.

Ihren Grundcharakter haben dieſe Schulen mit den älteren höhern Bil⸗ dungsanſtalten gemein: Erziehung des Menſchen zur Humanität. Ihr Abweichendes beſteht darin, daß ſie einen Theil des Stoffes aufgeben, woran jene Geiſt und Gemüth ihrer Zöglinge entfalten, um dafür, denſelben Zweck verfolgend, einen andern zu waͤhlen, über den ihre Schüler für ihre ſpätere Thä⸗ tigkeit hier herrſchen lernen.

Hier aber erhebt ſich eine bedeutende Schwierigkeit für die neuen Anſtalten. Die draußen ſtehen, um ihre Söhne ausgebildet von der Schule zurückzuerhalten, ver⸗ langen und erwarten viel, auch dann noch viel, wenn Alles abgerechnet wird, was auf Rechnung der Unkenntnis und irriger Anſichten vom Weſen einer wahren Schul⸗ bildung zu ſchreiben iſt. Jede Wißenſchaft aber und jede Kunſt, welche Einlaß in die Schule erlangt, iſt zu jener oben bezeichneten Höhe und Ausdehnung angewachſen, daß der Lehrer um ſo mehr erbangt, als es nicht geleugnet werden kann, wie in der That eine nicht eben niedrige Stufe dem Wißen wie dem Können nach in derſel⸗ ben erſtiegen ſeyn muß, wofern das Ergebnis nicht ein ſcheinbares bleiben ſoll.

Nicht bloß Geſtalt und Beſchaffenheit des Erdkörpers und ſein Verhältnis zu ſeinem Regenten und ſeinen Mitregierten, ſondern Alles, was in ihm erſtarrt iſt und was auf ihm grünt und kriecht und fliegt, verlangt Einlaß in die Schule. Es will geordnet und gefügt in dieſem großen Staate wenigſtens genügend repräſentirt ſeyn. Auch forſcht der menſchliche Geiſt nach den Geſetzen, die er ahnet, und ruht und raſtet nicht, bis er immer mehr in den Zuſammenhang zwiſchen Grund und Folge in den Erſcheinungen der Natur eingedrungen. Eingedenk des 5 Sede uerger un⸗ terwirft er Zeit und Raum und Kraft dem Maße, um zu ergründen, wornach, ſey es in der anorganiſchen, ſey es in der organiſchen Natur, ſey es im Großen, ſey es im Kleinſten, das ſich jedem manſhlichen Auge eitjeht alle Veränderungen vor ſich gehen.

Und wieviel bleibt dem Menſchen an ſich ſecbi zu thun übrig. Ihm iſt es erſtes Bedürfnis, ſich ſeines Verhältniſſes zu Gott und demnaͤchſt zu ſeines Gleichen bewußt zu werden und zu bleiben. Er will erfahren, wie das Menſchengeſchlecht