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des Geschichtswerkes, wie sie sich auf Grund der Ullrichschen Hypothese ergeben würde, auf ihre Folgerichtigkeit und Wahrscheinlichkeit zu prüfen. Ich sehe voraus, dass man das tadeln wird. Lauter Allgemeinheiten wird man sagen, aber solche Raisonnements zerstieben vor den Tatsachen wie Spreu vor dem Winde! Dieser Tadel würde mich in der Überzeugung von der Zweckmässigkeit des von mir verfolgten Weges nicht irre machen. Denn eben darauf kam es mir an, die Thukydideische Frage in ihrer Gesamtheit einer Beurteilung zu unterziehen. Allerdings, ein voller Beweis für die im Eingang meiner Arbeit aufgestellten Sätze wäre erst dann erbracht, wenn ich auch alle Einzelargumente nachgeprüft und gezeigt hätte, dass sie für die besprochenen Hypothesen nichts beweisen. Da aber eine solche Untersuchung ein umfang- reiches Buch erfordern würde, musste ich mir jene Beschränkung auferlegen. Natürlich habe ich auch die Detailfragen so weit verfolgt, um die UÜberzeugung hegen zu dürfen, dass irgend ein positiver Beweis für jene Hypothesen nicht erbracht ist; daher glaubte ich die Begrenzung meiner Aufgabe, die zunächst eine äussere Notwendigkeit war, auch mit gutem Gewissen vor- nehmen zu dürfen. Und auch in dieser Beschränkung dürfte eine solche Untersuchung recht nützlich sein. Denn an sorgfältigen und eingehenden Detailforschungen leidet unsre philologische Wissenschaft keinen Mangel; wohl aber geht uns über dem Bohren in kleinen und kleinsten Einzelfragen nur allzu oft der Blick für das Ganze und die klare Gesamtauffassung der Sache verloren. Und schliesslich liegt ja doch die Gewähr für die Richtigkeit einer Hypothese auf literarhistorischem Gebiet überhaupt viel weniger in den beigebrachten Einzelindicien als viel- mehr darin, dass sie eine widerspruchsfreie Gesamtanschauung ermöglicht. Denn man glaube doch nicht, dass derartige Einzelerscheinungen schon exakte Beweise im Sinne der Realwissen- schaften abgeben; vielmehr lassen sie, wie die Erfahrung zeigt, für sich allein betrachtet, fast immer verschiedene Auffassungen zu. Erst eine Reihe übereinstimmender Einzelbeobachtungen ermöglicht es, mit einer gewissen Sicherheit bestimmte Folgerungen zu ziehen; aber die Probe auf die Richtigkeit dieser Schlüsse lässt sich immer am sichersten durch eine Prüfung der resul- tierenden Gesamtanschauung machen. Die Ullrichsche Hypothese hält diese Prüfung nicht aus. Und so schliesse ich mit dem Wunsche, dass man sie möglichst bald aufgeben und die Erklärung der mancherlei Schwierigkeiten die der Thukydidestext uns noch bietet, auf anderen Wegen versuchen möge.


