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geschrieben sein, wann sie wollen; aber nach des Geschichtschreibers eigenen Worten sind sie nach 404 zu einer Geschichte des peloponnesischen Krieges zusammengearbeitet worden, und als deren Teile haben wir sie bis zum exakten Beweis des Gegenteils anzusehen. Jene möglicher- weise früher geschriebenen Schriften mögen sehr interessante und lehrreiche Bücher gewesen sein, aber sicherlich haben sie ganz anders ausgesehen, als die entsprechenden Abschnitte, die wir vor uns haben.¹) Wie nichtig ist nach alledem die Frage A. Schönes, ²) ob es wohl psychologisch wahrscheinlich sei, dass Thukydides gerade nach der völligen Niederlage Athens Lust und Kraft gefunden haben sollte, sein Werk zu schreiben, wenn er es nicht schon früher begonnen hätte! Dann wäre es wahrlich natürlicher gewesen, meint Schöne, wenn er im Schmer⸗z über das Unglück des Vaterlandes die Arbeit ganz aufgegeben hätte. Ist es aber nicht geradezu eine Ungeheuerlichkeit zu erwarten, der Geschichtschreiber würde aus Schmerz über die Nieder- lage Athens seine gesamte Lebensarbeit, das Ergebnis fast dreissigjähriger Forschungen und historiographischer Studien, der Vernichtung überliefert haben? Das wäre unsinnig gewesen, selbst wenn er von dem abschliessenden Werk damals noch keine Zeile geschrieben hätte.
Aber das letztere behaupten wir ja gar nicht, und so könnte ich das genannte Argument Ullrichs dahingestellt sein lassen. Da mir jedoch daran liegt, nach allen Seiten hin zu zeigen, auf wie schwachen Fundamenten die Ullrichsche Hypothese aufgebaut ist, möchte ich dennoch jenes Argument nochmals nachprüfen. Es soll also nach Ullrich höchst unwahrscheinlich sein, dass Thukydides nach dem Nikiasfrieden vorausgesehen habe, dieser werde nicht von Bestand sein, und dass er damals noch länger gezögert habe, die Geschichte des nach seiner Meinung abgeschlossenen Krieges abzufassen, zu der er seit 10 Jahren das Material gesammelt hatte. Allein bei näherer Betrachtung der Ereignisse nach 421 stellt es sich heraus, dass es keineswegs so schwer gewesen sein kann, neue Verwicklungen vorauszusehen. Folgten ja doch dem Priedens- schluss neue Streitigkeiten auf dem Fusse nach! Die mächtigsten Bundesgenossen Spartas, die Boioter, Korinthier, Eleer und Megareer waren dem Frieden gar nicht beigetreten(V, 17. 22); viel- mehr schlossen Korinth und Elis alsbald ein Bündnis mit Argos und Mantinea. Die Athener und Lakedaimonier aber betrachteten sich unmittelbar nach dem Friedensschluss schon wieder mit Misstrauen: 5xννπνοεινο ε ϑάmhmůc,)d«k rA tA«r SrOvAc e Avetot e Ars,mo ara rI r6? JOOiev AATNOc 05 πα00(V, 35,2). Denn wichtige Bestimmungen des Friedens waren nicht ausgeführt worden, und das erregte solche Mißstimmung, dass in Sparta schon im Herbst 421(V, 36, 1), in Athen im folgenden Jahr(V, 43, 1) die Kriegspartei wieder zu Einfluss gelangte. Die spartanische Kriegspartei betrieb schon seit 421 den Bruch des Friedens mit Athen und brachte unter andrem ein Separatbündnis mit den Boiotern zu stand(V, 36 ff.), das vertrags- widrig war und daher die Athener eben so sehr aufbrachte(V, 42, 4) wie die Schleifung von Panakton durch die Boioter. Die athenische Kriegspartei unter Alkibiades benutzte das, um einen Bund zwischen Athen, Argos, Mantinea und Elis herbeizuführen(V, 47), der gegen Sparta gerichtet war, obwohl der athenisch-spartanische Bund bestehen blieb(V, 48, 1). Die Eleer schlossen in diesem Sommer die Lakedaimonier von den Olympien aus(V, 49 f.); im folgenden Jahr brachen Streitigkeiten zwischen Argos und Epidauros aus, Athen und Sparta ergriffen Partei, und so standen schon im Spätsommer 418 Athener und Lakedaimonier bei Mantinea einander wieder feindlich gegenüber in einer Schlacht, die Thukydides αοτον νmν 76vO in h, ndv zal 5 Aο*,οοꝶαμ⁴ν 6N20? 557oaa nennt(V, 74, 1.); und der Gegensatz zwischen beiden Staaten bleibt nun offen bestehen, bis endlich der förmliche Krieg zwischen ihnen wieder ausbricht. Nach alledem kann eine so absonderlich tiefe politische Einsicht nicht erforderlich gewesen sein, um jemand den
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¹) Ich befinde mich hier in völliger iibereinstimmung mit E. Meyer a. a. O. S. 283, S. 362 f. ²) A. a. O0. S. 844.


