— 29—
der Punkt nur scheinbar ein Knotenpunkt, dieser liegt vielmehr dicht daneben, geradeso wie bei den wohl ausgebildeten Fadenwellen am Stimmgabelapparat.
Die Ubertragung von Fadenschwingungen auf Membranen(S. 34) erinnert ebenfalls stark an Savart. Herr Elsas hat in einer Abhandlung über Membranen(s. oben S. 10) diese Erregungs- methode benutzt, um Savarts längst widerlegte Folgerungen aus Resonanzschwingungen wieder zur Geltung zu bringen. Schliesslich ist es auffallend, dass(S. 35) ohne einen litterarischen Hinweis eine Einrichtung zur Erzeugung von Kundtschen Staubfiguren beschrieben wird, welche dem Meldeschen Apparat*) zur Erreichung desselben Zwecks ungemein ähnlich ist.
Unbegreiflich ist es sodann, dass in§. 10 die„Demonstration der Hauptgesetze für transversal schwingende Saiten“ vorgeführt wird. Obwohl Tyndall und Postula derartige Demonstrationen in ausgiebigster Weise geliefert haben, erlaubt sich Herr Elsas, diese Sachen ohne die geringste Quellenangabe seiner Dissertation einzuverleiben. Dementsprechend fällt auch der Schlussparagraph 11 aus. Ideen ohne experimentelle Fundierung! Wenn(S. 38) die Kundtschen Staubfiguren zur Bestimmung der Schallgeschwindigkeit benutzt werden sollen, so ist doch mindestens ein derartiger Versuch zahlenmässig darzulegen, wie es z. B. die„Akustik“ von Melde bei dem Originalapparat thut. 5*)— Was die Übertragung von Schwingungen auf Fäden zur Bestimmung von absoluten und relativen Tonhöhen leisten kann, habe ich selbst weit früher in meiner Abhandlung über die Schwingungen von porösen Gipsstäben nicht allein theoretisch, sondern auch in praktischer Anwendung auf ein Problem der Akustik gezeigt. Dass Herr Elsas diese Arbeit nicht citiert hat, ist auf- fällig. Dagegen gibt er Anleitungen zu Tonhöhebestimmungen, die nicht durch einen eineigen Ver- such belegt sind und deren Wert auch sehr problematisch ist.— Schliesslich eröffnet der Verfasser die Absicht, mit einer Reihe von Untersuchungen über Schallgeschwindigkeiten und Tonhöhen nach der angedeuteten Methode hervorzutreten. Sein Interesse hat sich indessen den Saiten abgewandt und scheint sich jetzt Membranen und Platten widmen zu wollen. Vielleicht finde ich Gelegenheit, im Laufe meiner Studien auch auf diese Arbeiten von Elsas zurückzukommen.
Nachdem ich in diesem Abschnitte darzulegen versucht habe, dass die Arbeit des Herrn Dr. Elsas keine Bedeutung für die weitere Entwickelung des Problems der Fadenschwingungen bean- spruchen kann, dürfte sich aus meinen vorausgehenden Auseinandersetzungen die Überzeugung be- festigen, dass Theorie und Praxis der Resonanzschwingungen an Saiten und Fäden ebenbürtig nebeneinanderstehen. Hoffentlich ist es mir gelungen, die Begriffe„Eigenschwingung“ und„Re- sonanzschwingung“ strenge zu scheiden und die Möglichkeit klar zu legen, dass beide koevistieren können. Ich lege ein Hauptgewicht auf genaue Einsicht in diese Phänomene, weil sie uns vor gewagten Schlüssen bewahren soll. Vielleicht wird es für Manchen interessant gewesen sein, die neueren und neuesten Entdeckungen auf dem Gebiete der Saitenschwingungen in dieser Weise auf- gefasst zu sehen. Unter allen tönenden Schwingungen sind sie die bedeutungsvollsten und haben seit Pythagoras, der schon an ihnen die Theorie der Musik zu entwickeln begann, immer grössere Würdigung erfahren. Waren es anfangs hauptsächlich die Eigenschwingungen, deren wunderbaren
5²) Akustik, S. 287. Der Apparat ist aus dem Jahre 1870. ⁵3) A. a. O0. S. 287.


