Aufsatz 
Die geologischen Verhältnisse von Alzey und seiner Umgebung. Eine historisch-geologische Skizze
Entstehung
Einzelbild herunterladen

u T

gewesen sind. Besser erhalten und mit Beigaben reicher ausgestattet war das Männer- grab, das das Skelett eines jungen Mannes von kräftigem Knochenbau und von circa 1,60 m Länge barg. Auch dieser Tote lag lang ausgestreckt da und hatte die Arme zu beiden Seiten angelegt. Auf der Brust waren 16 Feuersteingeräte angehäuft, die zum Teil verschiedene Messer und Schaber, mit denen das Fleisch von den Knochen der Tiere geschabt wurde, zum Teil Feuerklopfsteine darstellten, deren sich jene Völker bedienten, um durch Reiben an Schwefelkies Feuer zu erzeugen. In ihrer Nähe lagen noch rote Farbstückchen, die zum Tätowieren oder Bemalen der Haut, oder zum Färben von Lederriemen, Den und Holzgegenständen gedient haben Mona Die dem Toten esse beiden Tongefässe waren wohl geformt, gut gebrannt und reich verziert. Das eine, das mit Schnurösen versehen war und zu Lebzeiten des Toten wahrscheinlich als eine Art Feldflasche umgehängt getragen wurde, war ein flaschen- förmiges Trinkgefäss, das an der linken Seite des Kopfes untergebracht war. Das andere, das auf derselben Seite des Toten in der Höhe des Unterschenkels stand, bildete ein kürbisähnliches, weitbauchiges Gefäss, das zur Aufnahme der Speise diente. Höchst merkwürdigerweise war der untere Teil der Beine des Toten von den Fussknöcheln bis zur Mitte der Oberschenkel mit den grossen Rippen eines Wiederkäuers bedeckt, die sorgfältig aneinander gereiht waren und eine zweite, nicht sichtbare Lage derselben Rippen verhüllten. Vereinzelte andere Knochen lagen noch zerstreut in der Becken- gegend umher. Ihrer bedeutenden Grösse und Breite wegen dürften diese Knochen wohl von dem gewaltigen Urochsen(Bos primigenius) oder von dem Wisent(Bos priscus) herstammen. Höchst wahrscheinlich bilden sie die Reste einer am Grabe des Ver- storbenen abgehaltenen Totenmahlzeit und sind als eine Art Weihgeschenk oder Opfer dem Toten aus besonderer Wertschätzung und Verehrung beigelegt worden. Für diese Ansicht spricht auch die Wahrnehmung, dass die Knochen, die von 2 oder 3 Tier- individuen herrührten, nicht in ihrer natürlichen Anordnung wie am Tierkörper, sondern ganz willkürlich durcheinander lagen. Waren demnach für dieses Tootenfest mehrere dieser grossen Tiere erforderlich, so musste eine starkbesuchte, prunkvolle Totenmahlzeit- abgehalten worden sein, wie deren doch nur zu Ehren angesehener Personen veranstaltet werden Die Vermutung liegt daher nahe, dass dies Grab ein Häuptlingsgrab war. Weitere Gegenstände umschloss das Grab nicht. Aus den anderen zerstörten Gräbern waren noch eine Anzahl von Beigaben gesammelt worden, von denen nur die Meissel, ein Steinbeil und ein Materialrest unser Interesse erregen. Die Meissel waren schmal, hoch und aus geschliffenem Kieselschiefer hergestellt. Ihr hochgewölbter Rücken verlieh ihnen die Gestalt von Schuhleisten, weshalb sie auch Schuhleistenmeissel heissen. Das Steinbeil, das ebenfalls aus Kieselschiefer gefertigt war, besass eine vollkommen cylindrische Durchbohrung und zeigte eine saubere, treffliche Bearbeitung. Der Material- rest stellte einen Feuersteinrückstand dar, der noch ganz deutlich die Bruchflächen der Gesteinssplitter aufwies, die bei der Herstellung der Messer und Pfeilspitzen abgetrennt worden waren. Auch in diesen Gräbern lagen die Skelette, deren Schädel wohl ausge- bildet und mit schönen, kräftigen Zähnen versehen war, geradeso wie in den beiden obeıi beschriebenen Gräbern von Südosten nach Nordwesten in ausgestreckter Haltung bestattet und kehrten das Gesicht der aufgehenden Sonne zu. Besondere Beachtung beanspruchen die in den Gräbern aufgefundenen Gefässe, in denen eine ganz eigen- artige Keramik zur Darstellung kommt. Diese Gefässe, die weder Gefässrand noch