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bis zur Eiszeit fortsetzte. In dieser Zeitperiode war dann das Klima so gesunken, dass sich die hoch in das Luftmeer ragenden Gipfel der Hochgebirge in eine immer dicker werdende Schnee- und Eiskappe einhüllten. Diese Klimaänderung war ganz besonders in der arktischen Zone seit dem Miocän in Erscheinung getreten, und daher breiteten sich zu Beginn der Diluvialzeit von den Gebirgen Skandinaviens und Finnlands riesige Gletscher aus, die allmählich so gewachsen waren, dass sie die Ost- und Nordsee und den bottnischen Mcerbusen erfüllten und selbst noch die ganze norddeutsche Ebene bis zu den Mittelgebirgen mit einer mächtigen Eisrinde überzogen. Auch die Alpen und andere Gebirge zeigten ähnliche Erscheinungen, auf die wir später zurückkommen werden. Allerdings herrschten diese beschriebenen Zustände nicht die ganze Diluvialzeit hindurch. Zu Anfang und zu Ende war das Klima von dem der Jetztzeit wenig verschieden, und auch um die Mitte der Eiszeit ereigneten sich mannigfache Schwankungen, die Zwischen- zeiten hervorbrachten, in denen die Temperatur wieder stieg und das Eis zum Rückzuge gezwungen wurde.
Die neueren Forschungen haben ergeben, dass wahrscheinlich ein dreimaliges Vorrücken der Gletscher stattgefunden hatte, und diese drei Vereisungen durch zwei Interglazialperioden mit wärmerem Klima unterbrochen waren. Die erste Vereisung war die schwächste und die mittlere, die auch die Haupteiszeit genannt wird, die stärkste. In ihr war der grösste Teil von Europa völlig unter einer Eisdecke eingesargt.
Auf die Frage nach den Ursachen der Eiszeit kann noch keine vollkommen befriedigende Antwort gegeben werden, da die Erklärungsversuche der Forscher noch allzu sehr von einander abweichen Doch soweit hat man sich geeinigt, dass die Ur- sachen nur in einer Temperaturerniedrigung zu suchen sind, die schon in der Miocänzeit vorbereitet war. Irrtümlicherweise hat man lange Zeit diesen Wärmerückgang für zu bedeutend gehalten, bis es Brückner gelang, durch sehr genaue Berechnungen nachzu- weisen, dass die Temperaturabnahme in der Eiszeit gegen die heutigen Verhältnisse nur etwa 3,6°0 im Jahresmittel betragen haben dürfte. Ob aber die Veranlassung zu dieser Wärmeverminderung in allgemeinen tellurischen oder kosmischen oder in lokalen Ver- hältnissen zu suchen ist, das wissen wir nicht.
Auch die oberrheinische Tiefebene und unsere Gegend, die mit zu den wärmsten Teilen Deutschlands gehören, hatten ihre Eiszeit und waren unter Schnee und Eis begraben. Die sämtlichen Randgebirge, darunter auch der Odenwald, der Taunus und der Spessart, die sich heute nur 600—800 m über den Meeresspiegel erheben, waren mit Firnmeeren bedeckt, aus denen mächtige Gletscher in die Main-Rheinebene und in die Wetterau hinabflossen. Zwischen den Gletschern und dem Seeufer schob sich ein breites Gelände ein, das fast ausschliesslich der Tätigkeit der Gletscher seine Entstehung verdankte. Wallartige Hügelrücken, die aus groben Blöcken und Geschieben mit ein- gelagerten Sand- und Lehmmassen bestanden, oder ausgebreitete, flache Sand- und Geröllaufschüttungen, die jedoch in ihrem Verlaufe meist mit den vorhergenannten Gebilden auf’s engste verknüpft waren, durchzogen die Landschaft, und gewaltige erratische Blöcke ragten häufig aus ihr empor. Aus dem Gletscherrande sprudelten zahllose Wasseradern hervor, die feinen Sand, tonige Bestandteile und Gerölle mitfort- spülten und im Vorlande der Gletscher ausbreiteten. Durch sie entstanden weite, sandige Strecken, die von den Gletscherabflüssen durchzogen und von kleinen Seen besetzt waren, an deren Rändern kräftige Weiden- und Birkengestrüppe und Matten gediehen.


