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Um das eigentliche Seeufer des Rheinsees wuchsen Eiche, Kastanie, Pappel, Ahorn, Weissbuche, Linde, Cornelkirsche, Stechpaline, Erle, Kiefer und Heidelbeeren, welche für die Ernährung der Tierwelt ausreichten. Am Saume des Gletschers dagegen fehlte diese reiche Vegetation; nur niedrige Rasenpolster, teilweise mit grossblumigen Pflanzen durchsetzt, so wie man sie heute noch in den Alpen und in den Polarländern beobachten kann, breiteten sich aus, um in Gemeinschaft mit vereinzelten verkrüppelten Bäumen ihr ärmliches Dasein zu fristen. Die Tierwelt bestand aus einer Mischung von Ein- wandrern aus dem Norden mit den widerstandsfähigen, zurückgebliebenen Vertretern aus der pliocänen Zeit.
Gegen Mitte der Diluvialzeit mussten die Niederschlagsmengen in den nordischen und mitteleuropäischen Gebirgen bedeutend zugenommen haben, denn die‘Gletscher rückten unaufhaltsam vor und vergrösserten ihr Volumen derartig, dass ganz Deutschland, ja der grösste Teil von Europa zur vorletzten Eiszeit von einer gewaltigen Eisdecke eingehüllt wurde. In dieser'trostlosen Eiswüste war kein Raum mehr für die Pflanzen und Tiere, die jeglicher Mittel für ihre Existenz beraubt waren und sich wahrscheinlich nach den einzigen eisfreien Gegenden des südöstlichen Russlands oder sehr weit nach Süden zurückgezogen hatten. Doch auch dieser schrecklichen Zeit war ihre Grenze gesteckt, und auf die bisher geherrschte, grosse Tuftfeuchtigkeit folgte Trockenheit. Die ungeheure Anhäufung von Schnee und Firn hörte auf; die trockene Luft zehrte am Eisrand und schmolz die Gletscherenden ab. Infolge hiervon verringerten sich die Eismassen und mussten sich ebenso allmählich wieder zurückziehen, wie sie gekommen waren. Während dieser Zeit, die auch die Interglazialzeit genannt wird, hatte die Vergletscherung so sehr abgenömmen, dass die Gletscher nur noch Skandinavien und die Alpen überzogen, dagegen das übrige Europa wieder freigegeben hatten. Durch die grossen schmelzenden Eismassen hatte die Wassermenge bedeutend zugenommen. Sie sammelte sich entweder in bestimmten Rinnen, die zur Bildung von Flussläufen Veranlassung gaben, oder sie brachte die vorhandenen Seen zum Anschwellen. Auch in dem Rheinsee staute sich das Wasser und stieg höher und höher, bis es an einer tieferen, muldenförmigen Stelle den Kamm des rheinischen Schiefergebirges überschreiten und in nördlicher Richtung abfliessen konnte. Diese Stelle hatte das Wasser bei Bingen gefunden, wo es sich eine immer tiefer werdende Rinne bis Koblenz und Bonn mit Hilfe der mitgeführten Gerölle in die weichen Schiefer eingrub und am Ende des Gebirges in einem Wasserfalle herabstürzte. Dieser Wasserfall zerstampfte die Unterlage und nagte und feilte sich in die Schiefermassen eine Wasserfurche ein, die sich allmählich zur Schlucht und zum Tale erweiterte und durch langsames Rückwärtsschreiten sich in das tiefe, herrliche Erosionstal verwandelte, das der Rhein heutzutage durchfliesst. Je mehr sich die Abflussrinne vertiefte, desto tiefer sank auch der Wasserspiegel und desto seichter wurde der See. Zu jenen Flussläufen, die während dieser Abschmelzungsperiode der Gletscher entstanden, gehörte auch der Rhein, der noch zur Pliocänzeit zum Donau- gebiete abgeflossen war, von jetzt aber seine Wasser dem Rheinsee zusandte. Diesen See benutzte er als Klärungsbecken, indem er die von seinen Fluten mitgeführten Geröll-, Kies- und Schlammassen an seiner Mündungsstelle absetzte und ein Aufschüttungs- delta bildete, das im Laufe der Zeit immer weiter in den See vorgeschoben wurde. Dieselbe Arbeit leisteten auch zahlreiche den Randgebirgen entströmende Bäche, Flüsschen und die jetzt gleichfalls geborenen Flüsse Main und Neckar. Ihre Deltas rückten stetig


